Staubwolken über der Danakilwüste im Norden Äthiopiens
Auffliegende Flamingos auf dem Natronsee im Norden Tansanias
Luftaufnahme von Überschwemmungen im Norden Kenias

Eine kurze Geschichte der Erde

Vor etwa fünf Milliarden Jahren kam im äußeren Drittel unserer Heimatgalaxie ein im Universum ganz gewöhnlicher Prozess in Gang. Eine interstellare Gaswolke, bestehend aus Wasserstoff, Helium und Staubteilchen, begann sich zusammenzuziehen und verdichtete sich in ihrem Kern durch Massenansammlung zu einem Gasball. So entstand die Protosonne. Durch Gravitation gewann der Vorläufer unserer Sonne stetig an Masse. Während dieses Vorgangs wurde die Bewegungsenergie der angezogenen Teilchen in thermische Energie umgewandelt, wodurch die Protosonne nach und nach auf zehn Millionen Grad Celsius aufgeheizt wurde und die Kernfusion von Wasserstoff und Helium ansprang. Diese setzt bis heute in jeder Sekunde derart viel Energie frei, dass Europa vier Millionen Jahre mit Energie versorgt werden könnte. Zum jetzigen Zeitpunkt ist die Hälfte des Wasserstoffvorrats in ihrem Kern bereits zu Helium fusioniert, sodass die Sonne in weiteren etwa fünf Milliarden Jahren zu einem Roten Riesen werden wird. Während ihr Brennstoff allmählich zur Neige geht, bläht sie sich um ein Vielfaches ihrer jetzigen Größe auf, kühlt dabei ab und emittiert rotes Licht.

99,9 Prozent der in der ursprünglichen Gaswolke vorhandenen Materie ging in der Protosonne auf. Die verbleibenden 0,1 Prozent ballten sich zu immer größer werdenden Formen zusammen. Diese bildeten mit zunehmender Größe gravitative Kräfte und wuchsen durch Kollisionen untereinander zu meter- bis kilometergroßen Planetesimalen, den ersten Vorläufern von Planeten. Durch den Massezuwachs infolge weiterer Kollisionen entwickelten sich daraus mondgroße Protoplaneten und schließlich wiederum Planeten.

In Sonnennähe entstanden die Gesteinsplaneten Merkur, Venus, Erde und Mars mit einer festen silikatreichen Oberfläche, während sich in Sonnenferne leichtflüchtige Gase wie Wasserstoff, Helium und Methan zu den Gasplaneten Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun formten. Die Erde wurde also aus Chaos geboren. Seither durchlief sie eine Abfolge von Erdzeitaltern, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Die Geschichte der Erde seit ihrer Geburt wird auf einer geologischen Zeitskala dargestellt, die von der Internationalen Kommission für Stratigrafie festgelegt wurde und allgemein akzeptiert ist. Die hierarchische Gliederung der Zeitskala folgt dabei zwei Konzepten, die einander ähneln und in der Praxis selten strikt unterschieden werden: Geochronologisch wird nach Zeitabschnitten gegliedert, allgemeinsprachlich Erdzeitalter genannt. Die chronostratigrafische Gliederung unterteilt die Erdgeschichte nach dem Alter von Gesteinen, die aus den verschiedenen Zeitabschnitten überliefert sind.

Man unterscheidet vier Erdzeitalter: Präkambrium (Erdfrühzeit), Paläozoikum (Erdaltertum), Mesozoikum (Erdmittelalter) und Känozoikum (Erdneuzeit). Das Präkambrium wird dabei weniger fein untergliedert, obwohl es mit vier Milliarden Jahren den weitaus größten Teil der Erdgeschichte umfasst. Die Ursache hierfür ist, dass die zeitliche Zuordnung der Gesteine schwierig ist. Die dem Präkambrium folgenden drei Erdzeitalter werden mitunter zum Phanerozoikum zusammengefasst – der »Zeit des sichtbaren Lebens« –, so benannt, weil sein Beginn durch das Auftreten mineralisierter Fossilreste markiert ist, die mit bloßem Auge erkennbar sind.

Um die langen geologischen Zeiträume überhaupt vorstellbar zu machen, ist es hilfreich, die ganze Erdgeschichte auf die Dauer eines Tages herunterzurechnen. In diesem Modell endet das Präkambrium erst um 21.10 Uhr. Um 21.30 Uhr treten die ersten Wirbeltiere auf und um 22.55 Uhr die ersten Säuger. Der moderne Mensch (Homo sapiens) würde nach dieser Betrachtungsweise erst vier Sekunden vor Mitternacht in Erscheinung treten.