Luftaufnahme der Namibküste südlich von Walfishbai in Namibia
Lagune mit Salzfläche auf dem chilenischen Altiplano
Salzsee in der Simpson Wüste im Zentrum Australiens

Wüsten der Südhalbkugel

Die Ausdehnung der Wüsten auf der Südhalbkugel ist wesentlich geringer als die der Wüsten auf der Nordhalbkugel, was mit der weitaus kleineren Landmasse zu tun hat: Nur 19 Prozent der Gesamtfläche der Südhalbkugel bestehen aus Landmasse, 81 Prozent sind hingegen von Meeren bedeckt. Nicht umsonst sprechen Geografen von der Nordhalbkugel als Landhalbkugel und der Südhalbkugel als Wasserhalbkugel.

Entsprechend der Anordnung der Wüsten auf der Nordhalbkugel liegen die Wüsten auf der Südhalbkugel in einem erdumspannenden Wüstengürtel zwischen dem 20. und 40. südlichen Breitengrad. Dieser Gürtel beginnt im Südwesten Afrikas mit der Namib und setzt sich mit der Kalahari und der südafrikanischen Karoo nach Osten hin fort. Dann folgen die australischen Wüsten, die mit der Great Sandy Desert von der Küste des Indischen Ozeans bis zur Simpson im Zentrum des Kontinents reichen. Des Weiteren finden sich in Australien die Tanami, die Gibson und die Great Victoria Desert. In Südamerika verläuft der Wüstengürtel nicht breitenparallel, sondern stellt sich als Diagonale dar, die mit der Sechura im Norden Perus beginnt und im Süden in die Atacama übergeht. Im Südwesten Boliviens und im Nordwesten Argentiniens überspringt die Südamerikanische Trockendiagonale die Anden und setzt sich als Patagonische Küstenwüste im Lee der Anden bis nach Feuerland fort.

Die Landschaftsformen der auf der Südhalbkugel gelegenen Trockenwüsten gleichen denen auf der Nordhalbkugel im Wesentlichen. So wird im Folgenden der Fokus stärker auf die Unterschiede zwischen den beiden Wüstengürteln gelegt.

Die astronomischen Verhältnisse auf der Südhalbkugel sind komplementär zu denen auf der Nordhalbkugel: Die Jahreszeiten sind vertauscht; der niedrigste Sonnenstand ist auf der Südhalbkugel am 21. Juni, der höchste am 21. Dezember zu verzeichnen; die Sonne geht zwar auch im Osten auf und im Westen unter, steht mittags aber im Norden und nicht im Süden am Himmel.

Betrachtet man die Ursachen für die Trockenheit in den Wüsten der Südhalbkugel, gleichen sie denen, die für die Trockenheit auf der Nordhalbkugel verantwortlich sind, die Gewichtung ist aber eine andere. Ähnlich wie auf der Nordhalbkugel kommt es oftmals zu einem Ursachengefüge. Die Ausbildung von Wüsten in Australien, Afrika und Südamerika hat ihre Ursache, sofern sie im Bereich des südlichen Wendekreises liegen, im trockenen Passat, der anders als auf der Nordhalbkugel nicht als Nordostpassat, sondern als Südostpassat weht. Was auf der Südhalbkugel fehlt, ist der für die Trockenheit in der Sahara verantwortliche Ostjet, eine Höhenströmung aus Tibet. Reliefwüsten sind auf der Südhalbkugel nur in Südamerika anzutreffen, wo die Anden in Patagonien die feuchten Luftmassen des Pazifiks abschirmen; auf dem Altiplano werden hingegen die feuchten Luftmassen des Atlantiks abgehalten. Binnenwüsten sind auf der Südhalbkugel nicht zu finden, fehlen doch großräumige Landmassen, die in Zentralasien die Hauptursache für die Trockenheit sind oder diese in der Ostsahara zumindest verstärken. Dagegen sind Küstenwüsten auf der Südhalbkugel ausgeprägter als auf der Nordhalbkugel. Die küstennahen Teile der Atacama in Südamerika und der Namib im südwestlichen Afrika gelten als phänotypisch. Auch die für die westaustralischen Wüsten verantwortliche Trockenheit wird durch eine kalte Meeresströmung, den Westaustralstrom, verstärkt.

Einführung

Flora und Fauna

In Wüsten der Nordhalbkugel werden die Pflanzen und Tiere der Wüsten kurz beschrieben. Daher soll hier anhand je eines Beispiels aus Fauna und Flora gezeigt werden, dass die Wüsten der Südhalbkugel bei allen Gemeinsamkeiten durchaus Besonderheiten aufweisen.

Während die »Altweltkamele« für die Nomaden auf der Nordhalbkugel die Überlebensgrundlage bilden, sind für die Menschen in den Hochwüsten Südamerikas die »Neuweltkamele« bedeutsam. Neuweltkamele, auch »höckerlose Kamele« oder »südamerikanische Kameliden« genannt, wurden vor sieben bis acht Millionen Jahren in Südamerika heimisch. Man unterscheidet zwischen den wild lebenden Guanakos und Vikunjas und den domestizierten Lamas und Alpakas, wobei das Lama vom Guanako und das Alpaka vom Vikunja abstammt. Das zeigt sich auch daran, dass alle vier Arten untereinander gekreuzt werden können, da sie die gleiche Chromosomenanzahl besitzen. Der Altiplano, jene intermontane Hochebene zwischen den Andenkordilleren, ist die Heimat dieser Kameliden. Die Lebensbedingungen sind dort hart. Neben der Trockenheit sind die Tiere winterlichen Temperaturen von bis zu minus 30 Grad Celsius und einem durch die Höhenlage bedingten Mangel an Sauerstoff ausgesetzt. Ein dichtes Fell schützt sie vor der Kälte, außerdem können sie Sauerstoff besonders effektiv in das Gewebe befördern – eine Grundvoraussetzung, um auf dieser Höhe überleben zu können.

Als Vertreter der Flora soll die ungewöhnlichste Pflanze des südlichen Wüstengürtels näher betrachtet werden, die Welwitschia mirabilis. Sie wächst in der Nebelzone der Namib und wirkt mit ihren meterlangen, lederartigen, bodennahen Blättern wie ein Dinosaurier unter den Pflanzen in der Wüste. Sie wird von den Biogeografen als paläoklimatisches Relikt angesehen, handelt es sich bei ihr doch um eine Savannenpflanze, die aber in der küstennahen Namib auch unter vollariden Bedingungen überlebt. Sie nimmt die Feuchtigkeit des Küstennebels über ihren oberflächennahen, weiten Wurzelteller auf und profitiert vor allem von ihrer tief reichenden Pfahlwurzel, mit der sie die im Boden gebundene Feuchtigkeit erreichen kann. Um den Keimling aufwachsen zu lassen, braucht es aber eine Reihe regenreicher Jahre in Folge.

Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass einige von ihnen schon mehrere Hundert Jahre lang existieren. Ein Alter, das sie auch deshalb erreichen, weil ihre Blätter für Fraßfeinde ungenießbar sind.

Die Menschen

Anders als in den meisten Wüsten der Nordhalbkugel leben in den Wüsten Südamerikas, Australiens und des südlichen Afrikas sowohl indigene Völker als auch die Nachfahren europäischer Einwanderer. Die Inbesitznahme durch europäische Siedler hat in den Ländern bis heute ihre Spuren hinterlassen, und bei allen Veränderungen und Fortschritten dauert die Benachteiligung indigener Bevölkerungsgruppen bis heute an. Traditionelle Wirtschaftsweisen oder Kulturtechniken sind dort, wo es sie noch gibt, unter Druck. Dies gilt für alle drei traditionellen Wirtschaftsformen in Wüsten: den Nomadismus, die Jäger- und-Sammler-Kulturen sowie für die Oasenwirtschaft.

Nomadismus gibt es auf der gesamten Südhalbkugel lediglich bei den im Kaokoveld im nördlichen Namibia lebenden Himba.

Dagegen ist die Oasenwirtschaft auf allen drei Kontinenten zu finden, wenn diese Siedlungen auch wenig gemeinsam haben mit den traditionsreichen Oasen im Altweltlichen Trockengürtel der Nordhalbkugel. In Australien und im südlichen Afrika sind sie oftmals moderne Knotenpunkte für die extensive Rinderhaltung, in Südamerika wird in den Flussoasen der Atacama intensiver Obstanbau betrieben, oder es sind Standorte für den Bergbau.

Jäger-und-Sammler-Kulturen, wie die der San in der Kalahari oder der Aborigines in den Wüsten Australiens, existierten auf der Südhalbkugel bis zu Beginn des letzten Jahrhunderts. Tragischerweise ging die wirtschaftliche Inwertsetzung der Kalahari und der Wüsten Australiens mit der Auslöschung der einstigen Jäger-und-Sammler-Kulturen einher. Nicht allen San in Botswana oder Aborigines in Australien ist es gelungen, sich in die moderne Gesellschaft zu integrieren und an den heutigen Wirtschaftskreisläufen teilzunehmen. Beide Länder unternehmen durchaus Anstrengungen im Bereich der Gesundheitsversorgung, Bildung und Ernährung, können aber den Identitätsverlust der indigenen Bevölkerung damit nicht verhindern. Viele von ihnen sind arbeitslos, von Alkohol und anderen Drogen zerstört, die Perspektiven der jungen Generation oftmals deprimierend.

Nüchterne Zahlen belegen das Drama, das sich seit der Ankunft der Europäer in Australien abspielte. Lebten im Jahre 1788 je nach Schätzung 300.000 bis eine Million Aborigines in Australien, war ihre Zahl aufgrund eingeschleppter Krankheiten und durch gewaltsame Konflikte mit Siedlern um Landrechte bis zum Jahr 1920 auf 60.000 gesunken. Heute leben drei Viertel der knapp 500.000 Aborigines in Städten, nur ein geringer Teil lebt in kleinen Siedlungen, sogenannten Communities, die vom Staat versorgt und verwaltet werden. Jagen und Sammeln spielt heute bei den Aborigines wirtschaftlich keine bedeutende Rolle mehr.

Die moderne wirtschaftliche Entwicklung in Wüstenländern wie Australien, Chile, Argentinien und Namibia wird häufig von den Nachfahren europäischer Einwanderer vorangetrieben. Es gelang eine Inwertsetzung der wirtschaftlichen Potenziale im Bergbau, in der Landwirtschaft und im Tourismus. So wird mit dem Bergbau in der Atacama und auf dem Altiplano ein großer Teil des Bruttosozialprodukts von Chile erzielt. Gleiches gilt für die Diamantminen in der Kalahari und der Namib, welche die Länder Namibia und Botswana vergleichsweise wohlhabend machen. In Australien haben der Kupferbergbau großer Minenkonzerne und das opal mining manchen Glücksritter reich gemacht. In der Kalahari, am Rande der Namib und in den Randbereichen der australischen Wüsten wird extensive Rinderhaltung im industriellen Maßstab betrieben. Voraussetzung hierfür sind die umfangreichen fossilen Grundwasservorkommen, die oft mit Tiefbrunnen erschlossen werden. Nicht zuletzt spielt in den Wüsten der Südhalbkugel der Tourismus eine zunehmende Rolle, was auch daran liegt, dass sich die Sicherheitslage in den Wüsten des Altweltlichen Trockengürtels verschlechtert hat und das Reisen vielerorts nicht mehr möglich ist.

Namib

Die Namib erstreckt sich vom südwestlichen Angola entlang der namibischen Küste bis zum südafrikanischen Olifants River. Bei einer Nord-Süd-Ausdehnung von über 2000 Kilometern beträgt ihre Breite im Norden nur 30 bis 50 Kilometer, im Süden sind es hingegen 120 bis 140 Kilometer. Im Westen begrenzt die Atlantikküste die Namib, im Osten die Große Randstufe, die steil auf 1200 Meter ansteigt.

Die Namib wird oft als Küstenwüste bezeichnet, doch ihre Lage am südlichen Wendekreis und ihr Relief im Osten liefern weitere Ursachen für ihre Trockenheit. Die küstennahe Namib zählt zu den regenärmsten Gebieten der Erde, gleichzeitig ist sie aber für ihre relativ hohe Luftfeuchtigkeit und für das Auftreten von Nebel bekannt. Der Grund dafür ist eine ständige Temperaturinversion, die auf den Benguelastrom zurückzuführen ist, der kaltes antarktisches Tiefenwasser heranführt. Unterscheidungskriterium zwischen Küstennamib und Innerer Namib und der sich nach Osten anschließenden Vornamib ist die Reichweite des Nebels. Die Namib lässt sich aber auch geomorphologisch klar in die Nördliche, die Mittlere und die Südliche Namib gliedern. Die Nördliche Namib reicht vom südlichen Angola bis zum Huab-Fluss, landschaftlich wird sie von den Etendeka-Tafelbergen und nördlich des Huab vom Skelettküsten-Erg geprägt. In der Mittleren Namib dominieren nördlich des Kuiseb ebene Kies- und Felsflächen, die lediglich von den Flussbetten der großen Trockenflüsse Hoanib, Hoarusib und Ugab durchfurcht sind. Südlich des Kuiseb beginnt ein großer Erg, der bis zur Hafenstadt Lüderitz reicht. Hier bestimmen die langen Dünenketten aus 150 Meter hohen Draa das Landschaftsbild. Man nimmt an, dass sie sich bereits vor sechs bis drei Millionen Jahren bildeten und vor etwa 18.000 Jahren ihre heutige Form erhielten.

Meine Motorradreise begann in Windhoek, der Hauptstadt Namibias. Ich steuerte zunächst die Dünen von Sossusvlei an, von dort reiste ich weiter nach Solitaire und besuchte meinen inzwischen verstorbenen Freund Mouse, der den besten Apfelkuchen Afrikas gebacken hat. In der Fallschirmspringerschule von Swakopmund fand ich ein Flugzeug, das für die Luftbildfotografie perfekt geeignet war, konnte ich doch aus der großen Luke, auf dem Flugzeugboden liegend, die Namibküste aus großer Höhe fotografieren. Dann folgte ich der Skelettküste nach Norden. Über das Damaraland gelangte ich in das Kaokoveld, wo die Himba als letzte Nomaden des südlichen Afrikas leben. Durch das einsame Hartmannstal fuhr ich bis zum Fluss Kunene an der angolanischen Grenze.

Kalahari

Die Kalahari liegt im Zentrum des südlichen Afrika und war vor 18.000 bis 12.000 Jahren, also während der letzten globalen Kaltzeit, eine Vollwüste. Aus dieser Zeit stammen ihre ausgeprägten Längsdünen. Vor 8000 Jahren endete das vollaride Klima, und die Vegetation begann die Dünen zu stabilisieren. Heute ist die Kalahari eine Gras- und Baumsavanne; die durchschnittliche jährliche Regenmenge von 200 Millimetern lässt Büschelgräser, Sträucher und einzelne Bäume gedeihen. Dass die Kalahari immer noch als Wüste bezeichnet wird, liegt daran, dass der Sandboden sehr wasserdurchlässig ist und keine Flüsse und Seen entstehen lässt. Einzig in den zahlreichen Pfannen steht nach Regenfällen oft monatelang das Wasser. Die Nordgrenze der Kalahari wird zwischen der Etosha-Pfanne und dem Okavango-Binnendelta gezogen, einem 16.000 Quadratkilometer großen Feuchtgebiet. Die Südgrenze liegt am Limpopo und südlich vom Oranje; damit ist die Kalahari 500.000 Quadratkilometer groß. Die indigene Bevölkerung der Kalahari, die San, gehören zur khoisaniden Gruppe, deren Sprache durch Klicklaute geprägt ist.

 

Meine Frau Elly und ich waren mit dem Geländewagen bereits vier Wochen in der Kalahari unterwegs, als wir nach Verlassen des großflächigen Central Kalahari Game Reserve die kleine Ortschaft New Xade erreichten. Hier leben jene San, die vor zwei Jahrzehnten noch den kleinen Ort Xade im Central Kalahari Game Reserve bewohnt hatten, von den Behörden dann aber zwangsumgesiedelt worden waren. Diese Umsiedlungen finden trotz Protesten von Menschenrechtsorganisationen bis heute ihre Fortsetzung. Die San sind traditionell Jäger und Sammler, was sich mit den Regularien eines Nationalparks nicht vereinbaren lässt. Die Bewohner von New Xade werden zwar regelmäßig mit Lebensmitteln versorgt und erhalten ärztliche Hilfe, aber sie haben ihr wichtigstes Gut verloren: ihr selbstbestimmtes Leben. Wir hatten Kontakt zu einer Gruppe San bekommen, weil die Lichtmaschine unseres Toyota Hilux am Ortsrand von New Xade kaputtgegangen war und wir die Nacht dort verbringen mussten. Die 20 Jahre erzwungener Sesshaftigkeit in New Xade haben den Menschen nicht ihren Humor und ihre Warmherzigkeit nehmen können. Elly und ich beobachteten, wie liebevoll sie mit ihren Kindern und wie respektvoll sie miteinander umgehen. Im 100 Kilometer entfernten Ghanzi begegneten wir hingegen San, die verwahrlost und alkoholisiert waren, Kinder versuchten durch Schnüffeln von Klebstoff und Benzin, ihren Hunger zu unterdrücken. Für die San und ihre traditionelle Lebensweise ist kein Platz in der Gesellschaft des heutigen Botswana.

Simpson

Australien gilt nach Antarktika als der trockenste Kontinent der Erde. Es fehlen aber vollaride Wüsten, denn auf dem kleinen, inselartigen Kontinent gibt es keine höheren Gebirgszüge, welche die Zufuhr von feuchten ozeanischen Luftmassen bremsen könnten. In den Sommermonaten kommt es durch tropische Luftmassen aus nördlicher und nordwestlicher Richtung in den Wüsten Australiens zu heftigen Regenfällen. Edaphische Gründe – wie ein wasserdurchlässiger Sanduntergrund – führen aber regional zu einem wüstenhaften Landschaftsbild.

Auch in der Simpson hat die Lage am südlichen Wendekreis keine ausgeprägte Wüste zur Folge, stattdessen sind ihre Dünenkämme von dichter Vegetation bedeckt. Selbst in den trockensten Orten Australiens, in William Creek und Oodnadatta, fallen noch 150 Millimeter Niederschlag pro Jahr. Diese Tatsache und die Beckenlage der Simpson waren die Voraussetzungen für ein seltenes Naturphänomen: Nach 33 Jahren, im Jahr 2008, füllte sich der größte Salzsee Australiens, der Lake Eyre, seit Langem wieder mit Wasser. Der See liegt 15 Meter unterhalb des Meeresspiegels und damit am tiefsten Punkt des gleichnamigen geologischen Bassins. Es ist das Sammelbecken für Wasser aus den Flüssen Cooper Creek, Georgina-Diamantina, Warburton, Neales und Macumba. Sein Einzugsgebiet erstreckt sich über 22 Prozent der Gesamtfläche Australiens; damit ist das Lake-Eyre-Bassin eines der größten internen Abflusssysteme der Erde. Doch nur ganz selten führen die genannten Flüsse so viel Wasser aus dem Bundesstaat Queensland heran, dass sie den Lake Eyre erreichen.

Ich reiste mit meinen Kindern Gina und David und deren Freunden im August 2011 von Melbourne mit einem Landcruiser in diese Region. Erstes Ziel war das westlich des Salzsees gelegene William Creek, ein Nest mit sieben Einwohnern und einem winzigen Flugplatz. Ich konnte dort eine Cessna chartern, deren Tür sich aushängen ließ. Der mit T-Shirt und Hose bekleidete Pilot ahnte nicht, dass ich die maximale Flughöhe der einmotorigen Propellermaschine voll ausreizen und zwei Stunden lang auf über 4000 Meter aufsteigen wollte. In diesen Höhen ist es auch in Südaustralien sehr kalt. Ich spürte meine Finger schon lange nicht mehr, als ich Hunderte Bilder vom Wasser in der Wüste belichtete. Unsere weitere Reise führte nach Birdsville, von dort durchquerten wir die Simpson auf der French Line, einer schwierig zu befahrenden Sandpiste. Zwei Monate später kehrte ich mit Jörg Reuther zurück, nachdem die australischen Behörden mein Motorrad endlich aus der Quarantäne entlassen hatten. Dieses Mal charterten wir ein Flugzeug, um zur »Painted Desert« zu fliegen.

Atacama

An der Westküste Südamerikas verläuft vom Süden Ecuadors über Peru bis nach Chile, von fünf Grad bis 25 Grad südlicher Breite, ein 3700 Kilometer langes Wüstenband. In Nordperu wird diese Wüste Sechura genannt, ab sieben Grad südlicher Breite gilt die Bezeichnung Atacama. Die Atacama ist die trockenste Wüste der Erde; ihre Aridität wird oft nur mit der Existenz des Humboldtstroms begründet, der als kalte Meeresströmung eine Inversionswetterlage herbeiführt, die Niederschläge verhindert. Die Atacama ist aber auch eine ausgeprägte Binnenwüste – vor allem in Chile. Von Mai bis November ist die Küstenwüste oft nebelverhangen. In Peru heißt der Nebel Garua, in Chile Camanchaca. Er hat die Entstehung eines spezifischen Vegetationstyps bewirkt, der Loma-Vegetation, bei der die meisten Pflanzen endemisch sind. Der Nebel reicht bis auf eine Höhe von 700 bis 1000 Metern über dem Meeresspiegel, darüber beginnt in Chile die meist sonnige Binnenzone. Sie zählt zu den trockensten Gebieten der Erde. Die Landschaft der Atacama ist oft monoton und ohne jegliche Vegetation, nur im Süden Perus gibt es ein küstennahes Dünengebiet. Während in Peru die Küstenstädte an Flussoasen liegen, müssen die Städte in Chile durch 300 Kilometer lange Wasserleitungen aus den Anden versorgt werden. In Peru spielt in den Flussoasen der Obstanbau eine erhebliche Rolle. Für Chile wirtschaftlich bedeutend ist der Bergbau in der Atacama, der nicht nur in der größten Kupfermine der Erde, in Chuquicamata, die Landschaft prägt.

Meine Reise durch die Atacama begann in der peruanischen Hauptstadt Lima. Ich fuhr mit meinem Motorrad zunächst zur Halbinsel Paracas, an deren Küsten Robben und Wale leben. In Nordchile besuchte ich die stillgelegte Salpetermine Humberstone, in der von 1872 bis 1961 Salpeter gewonnen wurde. Theater, Geschäfte, Wohnhäuser und ein Schwimmbad zeugen vom Wohlstand, den der Salpeter in die Atacama gebracht hatte. Der Salpeterboom war 1910 aber zu Ende, als der Berliner Chemiker Fritz Haber entdeckte, dass sich Natriumnitrat auch künstlich herstellen lässt. Heute stellt Kupfer den wichtigsten Rohstoff der Atacama dar. In Chuquicamata blickte ich in ein 700 Meter tiefes, vier Kilometer langes und 2,5 Kilometer breites Loch – die größte Kupfermine der Erde. 8000 Arbeiter wälzen pro Tag 600.000 Tonnen Gestein um und fördern fünf Prozent der Weltkupferproduktion. Es war nicht mehr weit nach San Pedro de Atacama, Ausgangspunkt für Touren in die Mondlandschaft des Valle de la Luna. Dann verließ ich Chile und die Atacama und fuhr auf den bolivianischen und argentinischen Altiplano hinauf.

Altiplano

Der Altiplano ist eine intermontane Hochebene, die zwischen den 6000 Meter hohen Ost- und Westkordilleren der Anden eingebettet liegt und sich über viele Breitengrade hinweg von Peru über Bolivien und Chile nach Argentinien erstreckt. Ist die Vegetation auf dem Altiplano aufgrund der Höhenlage generell gering, nimmt die Landschaft zwischen dem 24. und dem 26. Grad südlicher Breite wüstenhafte Züge an. In diesem Bereich quert die Südamerikanische Trockendiagonale die Anden. Hier führt, ähnlich wie in der Atacama, die Abschirmung feuchter atlantischer Luftmassen durch die Anden zu Trockenheit. Die Puna genannte Landschaft hat teilweise den Charakter einer Vollwüste, teilweise sorgen Ichugräser und Büsche für einen steppenhaften Eindruck. Salzseen und zum Teil aktive Vulkane sowie heiße Quellen bestimmen das einzigartige Landschaftsbild. Der Vulkanismus auf den Altiplano ist zurückzuführen auf das Abtauchen der Pazifischen Platte unter die Südamerikanische Kontinentalplatte. Dabei schmilzt das Gestein 200 Kilometer östlich der Küstenlinie im Erdinnern auf und sorgt für eine Kette von Vulkanen in den Anden.

San Pedro de Atacama im Norden Chiles war der Ausgangspunkt zweier Motorradtouren auf dem Altiplano. Die erste führte auf den bolivianischen, die zweite auf den argentinischen Altiplano. Zunächst überquerte ich die Grenze nach Bolivien und fuhr eine 1000 Kilometer lange Schleife durch eine der spektakulärsten Landschaften der Erde. Höhepunkte waren der mittägliche Farbenwechsel der Laguna Verde, die Flamingo-Kolonien auf der Laguna Colorada, die heißen Quellen von Sol de Mañana und die endlosen Salzflächen des Salar de Uyuni. Neben der dünnen Luft machten mir und der Motorradbatterie vor allem die extrem niedrigen Nachttemperaturen von minus 20 Grad Celsius und kälter zu schaffen. Zurück in San Pedro de Atacama flog mein bisheriger Reisepartner Jörg Reuther nach Hause, und Thilo Mössner bestieg den Soziussitz. Es ging über die argentinische Grenze in die Puna de Atacama, die nicht minder spektakulär als der bolivianische Altiplano ist. Zunächst suchten wir das Grab des 1930 in den Anden umgekommenen deutschen Seemanns Karl Wilmer auf, nach dem die abgelegene Bahnstation Morte Aleman benannt ist. Dann überquerten wir den Salzsee Arizaro und fotografierten an seinem Südende den ebenmäßigen Kegelberg Cono de Arita. Nach mehreren Pässen stießen wir auf das weitgehend unbekannte Bimssteinfeld Campo de Piedra Pómez, das in einer Caldera am Südende des Altiplano zu finden ist. Daraufhin verließen wir den Altiplano und fuhren entlang der Patagonischen Küstenwüste bis nach Ushuaia in Feuerland.