Dünenfeld in der nördlichen Rub al Khali in Saudi Arabien
Kamele am frühen Morgen in der winterlichen Wüste Gobi in der Mongolei
Yaks in einem Hochtal in Ladakh im indischen Himalaya

Wüsten der Nordhalbkugel

Die Wüsten der Nordhalbkugel umspannen in einem Gürtel zwischen dem 20. und 40. nördlichen Breitengrad die Erde. Dieser Wüstengürtel verläuft weder durchgehend noch breitenparallel, sondern bildet von der Westsahara bis zur Wüste Gobi eine Diagonale. Diesen Teil des Wüstenbandes nennt man den Altweltlichen Trockengürtel. Er nimmt seinen Anfang an der Nordwestküste Afrikas mit der Sahara – der mit neun Millionen Quadratkilometern Fläche mit Abstand größten Wüste der Erde. Sie zieht sich vom Atlantik bis zum Roten Meer quer durch den afrikanischen Kontinent. Der nördliche Wüstengürtel findet seine Fortsetzung auf der Arabischen Halbinsel mit der Rub al-Khali und der Großen Nafud und in Vorderasien mit der Wüste Negev, der Syrischen Wüste, der Großen Kavir und der Wüste Lut. In Mittelasien sind die Wüsten Karakum und Kysilkum zu nennen, in Zentralasien sind die wichtigsten Wüsten die Gobi, die Taklamakan, die Ordos, die Badain Sharan und die Changtang, auf dem indischen Subkontinent die Wüsten Thar und Sindh. Auch am Hindukusch, im Pamir und im Himalaya liegen aride Gebiete. Die Wüsten der Nordhalbkugel setzen sich im südwestlichen Nordamerika mit der Great Basin Desert, der Mojave, der Sonora und der Chihuahua fort. Zwei Klischeevorstellungen über Wüsten sind weit verbreitet, jedoch falsch: Wüsten sind eintönige Landschaften, und sie bestehen vor allem aus Sand. Tatsächlich sind nur ein Fünftel aller Wüstenflächen Sandwüsten, ausgesprochene Dünenlandschaften (Ergs, Edeyen) machen weltweit gar nur ein Zehntel aus. Nur die Rub al-Khali auf der Arabischen Halbinsel ist eine reine Sandwüste mit bis zu 200 Meter hohen Megadünen (Draa). Sie stammen in allen Wüsten aus früheren Zeitabschnitten, als die Windgeschwindigkeiten noch viel höher waren als heute, und sind ortsfest. Dünen dagegen werden auch heute noch vom Wind geformt und im Fall der Barchane (Sicheldünen) auch bewegt. Sie sitzen in den großen Ergs der Erde oft in den Dünentälern zwischen den Draa und tragen zum Bild eines Sandmeers bei.

 

Die größten Flächen nehmen Hamadas ein, das sind Fels- und Steinwüsten. Man unterscheidet Hamadas, zwischen deren Steinen sich Feinmaterial abgelagert hat, und Hamadas, bei denen die Steine auf einem Felssockel aufliegen. Hamadas werden auch je nach ihrer Gesteinsart in Kalkstein-, Sandstein- und Basalthamadas unterteilt. Ein zweiter Oberflächentyp in der Wüste ist die Serir, eine Kieswüste. Es handelt sich bei dieser monotonen Oberflächenform um gerundete Flussablagerungen, deren Durchmesser von zwei bis 60 Millimeter reichen können. Regs stellen einen weiteren Oberflächentyp in den Wüsten dar. Diese muss man sich als kleinsteiniges Wüstenpflaster vorstellen. Ein anderer weitverbreiteter Oberflächentyp sind Sandschwemmebenen, die entstehen, wenn episodische Niederschläge Kies und Sand aus der Hangverwitterung schwemmen. Schwemmebenen zeigen eindrucksvoll, dass selbst dort, wo Flüssigkeitsmangel herrscht, Wasser eine stark landschaftsbildende Kraft hat. Becken und Senken sind in Wüsten häufig durch Salztonebenen und reine Salzwüsten bestimmt; ihnen gemeinsam ist der fehlende Oberflächenabfluss. Sie werden je nach Region Schott, Salar, Kawir oder Sebkha genannt.

Einführung

Fauna und Flora

Anders als häufig angenommen, sind Wüsten keineswegs leblose Räume. Tiere und Pflanzen sind auch in den trockensten und heißesten Wüstengebieten anzutreffen. Die Herausforderungen für ein Überleben in den Wüsten sind groß: extreme Temperaturen, enorme Temperaturschwankungen von bis zu 100 Grad Celsius, hohe UV-Strahlung, nahezu beständiger, austrocknender Wind, kaum Deckung vor Raubtieren und ein geringes Nahrungsangebot. Entscheidender Faktor für das Überleben in der Wüste ist aber das Vorkommen von Wasser.

Wasser ist die wichtigste Voraussetzung für alle physiologischen Prozesse, ob beim primitiven Einzeller oder dem höchstentwickelten Säuger. Immerhin bestehen Lebewesen aus etwa 70 bis 95 Prozent Wasser. Sowohl alle Transportsysteme, ob der Blutkreislauf, das Lymphsystem oder osmotische Regulationsprozesse zwischen den Zellen, als auch die Sauerstoffaufnahme in den Atmungsorganen sind an einen ausgeglichenen Wasserhaushalt gebunden. Kann der Wasserverlust nicht durch Wasseraufnahme ausgeglichen werden, stirbt das Lebewesen. Diesbezüglich gibt es erstaunliche Unterschiede bei den Wüstentieren: zwischen jenen, die täglich trinken müssen, und denen, die wegen ihrer physiologischen Anpassungsleistung mit geringen Wassermengen auskommen. Erstgenannte sind gezwungen, weite Strecken zwischen den Wasserstellen in den Oasen, den Weiden oder Brutplätzen zurückzulegen. Senegal-Flughühner nisten beispielsweise weit weg von den Wasserquellen, die sie täglich aufsuchen. Dort speichern sie in ihrem Gefieder Wasser, um es den Jungvögeln mitzubringen. Insekten, Skorpione und Spinnen sind hingegen genügsamer und durch eine Schutzschicht aus Chitin und Wachs gegen schnelle Verdunstung geschützt.

Wasserverlust entsteht üblicherweise durch Ausscheidung von Kot und Urin, durch Transpiration über die Körperoberfläche und beim Ausatmen der Luft. Hier haben sich im Lauf der Evolution verschiedenste spezielle Mechanismen entwickelt, um das Wasser im Körper zu halten. Vögel und Reptilien produzieren keinen flüssigen Urin, sondern scheiden die Harnsäure in kristalliner Form über den Kot aus. Wüstenspringmäuse und andere Nager haben keine Schweißdrüsen, sie müssen aber trotzdem ein Überhitzen der Körpertemperatur verhindern und verbringen die heiße Tageszeit in Erdlöchern und Höhlen. In Zeiten extremer Nahrungsknappheit und winterlicher Kälte verfallen sie in eine Schlafstarre, reduzieren die Körperfunktionen und – vergleichbar mit einem Winterschlaf – überdauern so die entsprechenden Perioden.

In den Sommermonaten stellt die Hitze in den Wüsten neben dem Wassermangel eine weitere Herausforderung dar. Die lebenswichtigen Enzyme entfalten zwischen 30 und 40 Grad Celsius ihre optimale Wirkung; steigt die Temperatur höher, werden sie nachhaltig geschädigt. Das endet für die meisten Tiere tödlich, falls es ihnen nicht gelingt, den Körper entsprechend zu kühlen. Die Temperaturen auf den Wüstenböden können in exponierten Lagen zwischen 60 und 80 Grad Celsius betragen. Daher verbringen die meisten von ihnen den Tag im Schatten oder in Höhlen, einige sind auch nachtaktiv. Viele Tiere regulieren die Körpertemperatur durch Schwitzen oder Hecheln. Das setzt allerdings voraus, dass genügend Wasser zum Trinken vorhanden ist.

Vorwiegend an den Lebensraum Wasser gebundene Tiere, also Amphibien und Reptilien, halten eine Ruhephase ein, wenn die Tümpel und Flussläufe ausgetrocknet sind. Ein interessantes Beispiel hierfür ist die Population der Wüstenkrokodile in Mauretanien. Bis 1999 galten sie für die Wissenschaft als ausgestorben, und man betrachtete die Population von nur noch sieben Exemplaren im Ennedi-Massiv des Tschad als die der letzten überlebenden Panzerechsen in der Sahara. Ein deutsches Forscherteam machte sich aufgrund eines Hinweises im Süden Mauretaniens nahe der Stadt Kiffa in den Überschwemmungsgebieten, den Tamouts und Gueltas, auf die Suche. Tatsächlich entdeckten sie eine Population von damals 40 bis 50 Krokodilen. Es sind Hungerformen des westlichen Nilkrokodils, die eine maximale Länge von 2,3 Metern erreichen. Bei den Einheimischen war deren Vorkommen natürlich bekannt. Außerhalb der Regenzeit verbergen sie sich in Höhlen und Felsspalten. Dort verbringen sie eine mehrmonatige Ruhephase. Krokodile können sehr lange ohne Nahrungsaufnahme auskommen, vor allem dann, wenn sie regungslos in ihren Höhlen liegen.

Pflanzen sind in Wüsten ebenfalls stark limitierenden Bedingungen ausgesetzt: austrocknendem Wind, kaum Schatten durch andere Pflanzen, nährstoffarmen, oft salzigen Böden, salzhaltigem Grundwasser und stark schwankenden, zeitweise sehr hohen Temperaturen. Die größte Herausforderung für Pflanzen in der Wüste bleibt aber der Wassermangel. Die jungsteinzeitliche Feuchtperiode in der Sahara hat eindrucksvoll gezeigt, dass aus der Wüste Sahara bei ausreichend Niederschlägen eine Savannenlandschaft werden würde. Angesichts der heute extremen Umweltbedingungen wundert es nicht, dass die Artenzahl von Pflanzen ähnlich wie bei den Tieren in den Wüsten deutlich herabgesetzt ist. In der gesamten Sahara finden sich etwa 1400 Pflanzenarten – das sind gerade mal so viele, wie man sie im tropischen Regenwald schon auf wenigen Quadratkilometern findet.

Die Strategien, mit dem extremen Wassermangel in den Wüsten umzugehen, sind bei Pflanzen sehr unterschiedlich. Akazien sind Tiefwurzler und investieren die gesamte Produktion aus der Fotosynthese so lange in das Wurzelwachstum, bis sie Grundwasser erreicht haben; erst dann beginnt der Baum nach oben zu wachsen. Dieser scheinbare Latenzzustand kann Jahrzehnte dauern, weil für das Wachstum am Anfang nur das Wasser aus den kurzen Regenperioden zur Verfügung steht. Unterirdische Speicherorgane wie Knollen und Zwiebeln können jahrelange Ruheperioden überdauern und bei Regen innerhalb weniger Tage zu voller Blüte austreiben. Kleinste Blätter schützen vor Wasserverlust. Verdunstungsschutz gelingt aber auch durch Abdichten der Blätter und verschließbare Spaltöffnungen, wie es bei Palmenblättern der Fall ist. Tamarisken bilden ein Wurzelnetzwerk und damit einen unterirdischen Feuchtigkeitsspeicher. Es gibt in den Wüsten auch »Schmarotzerpflanzen«, welche den Wasserspeicher anderer Pflanzen anzapfen und ihnen Wasser und Nährstoffe entziehen. Sie bilden bis zu einen Meter hohe, farbintensive Blütenstände aus. Die Sukkulenten verfolgen wiederum eine andere Strategie: Sie speichern Wasser in ihrem großzelligen Grundgewebe. Auch wenn es Pflanzen gelingt, mit dem geringen Wasserangebot zurechtzukommen, ist ihr Überleben nicht garantiert, denn Wild- und Weidetiere sind ihre Fressfeinde. Um sich gegen sie zu schützen, besitzen viele Wüstenpflanzen Dornen, wie beispielsweise die Akazien oder die Kakteen, andere, wie der Sodomsapfel oder die Koloquinte schützen sich durch Giftigkeit oder Ungenießbarkeit.

Die Menschen

Menschen haben im Gegensatz zu Tieren und Pflanzen keinerlei physiologische Anpassungen an die Wüstenbedingungen entwickelt. Der Schlüssel zum Leben und Überleben liegt hier in ihrer kulturellen Adaption. Dies gilt für traditionelle Wirtschaftsformen genauso wie für die Errungenschaften des modernen Lebens in den Wüsten Nordafrikas, Asiens und Nordamerikas. Die Bandbreite menschlicher Lebensweisen in den Wüsten der Nordhalbkugel ist immens. Die Wolkenkratzer und Einkaufszentren in Dubai sind genauso Teil des Umgangs des Menschen mit Wüste, wie es die letzten Salzkarawanen sind, die heute noch durch die Sahara ziehen: Moderne Lebensformen koexistieren mit traditionellen, wie der Oasenwirtschaft, dem Jagen und Sammeln und dem Nomadismus.

Oasen existieren nur dort, wo das Grundwasser, Flussläufe oder Quellen Pflanzenwuchs ermöglichen. Es gibt unbewohnte oder nur saisonal genutzte Oasen, die meisten sind aber dauerhaft besiedelt und werden intensiv bewirtschaftet. Oasen finden sich typischerweise im Altweltlichen Trockengürtel, wo die Dattelpalme die dominierende Kulturpflanze ist. Oasen wie Ghardaia in Algerien oder Timbuktu in Mali wurden nicht nur zu wirtschaftlichen Umschlagplätzen, sondern waren auch als Zentren des Glaubens, der Wissenschaft, Kunst oder Literatur bekannt. Oasen waren auch Geburtsstätten von Hochkulturen wie die der Pharaonen im Niltal oder die des Zweistromlandes an Euphrat und Tigris.

Die indigenen Völker Nordamerikas waren Jäger und Sammler. Ihre Fähigkeit, Wasserstellen aufzuspüren, das Jagen der einst zahlreichen Wildtiere sowie die detaillierte Kenntnis der Pflanzenwelt sicherten der indigenen Bevölkerung Nordamerikas auch in den Wüsten und Halbwüsten über Jahrtausende das Überleben. Die Ausbreitung der modernen Zivilisation führte zur fast völligen Auslöschung dieser Jäger-und-Sammler-Kulturen.

Im gesamten Altweltlichen Trockengürtel ist bis heute der Nomadismus die einzige Wirtschaftsform, um die landwirtschaftlich nicht anders nutzbaren, gewaltig großen Räume zwischen Mauretanien und China wirtschaftlich in Wert zu setzen. Man unterscheidet zwischen Vollnomaden, die einzig von der nomadischen Tierhaltung leben, und Halbnomaden, die dagegen zeitweise sesshaft sind und entweder Trockenfeldbau betreiben, als Händler oder im Transportwesen tätig sind. Ganz unterschiedliche Tiere bilden die Lebensgrundlage der Nomadenvölker. Je nachdem, welche Voraussetzungen die Natur bietet, sind dies Kamele, Pferde, Rinder, Yaks, Schafe oder Ziegen. Die Bandbreite der Nomadenvölker im Altweltlichen Trockengürtel ist groß. Auf den ersten Blick haben rinderzüchtende Bororo in der Sahelzone Malis wenig gemeinsam mit Kaschmirziegenhaltern in der Wüste Gobi. Und doch teilen sie die Fähigkeit, mit ihren Herden in den Wüsten zu überleben, indem sie in regelmäßigen Abständen den Weideplatz wechseln. Auch Wertvorstellungen, wie ein behutsamer Umgang mit der Natur, um die Lebensgrundlage zu sichern, oder das Festhalten an der auf die Lebensbedingungen bestens ausgerichteten traditionellen Kleidung sowie den spezifischen Wohnformen sind den Nomaden gemeinsam. Dies gilt auch dann noch, wenn in vielen Jurten der Mongolei Fernsehgeräte stehen und viele Bororo inzwischen ein Mobiltelefon besitzen.

Eine große Bedrohung für die Nomadenkulturen stellen die Schikanen oder zumindest mangelnde Unterstützung durch die Regierungen und Verwaltungen der jeweiligen Nationalstaaten dar. Nomaden werden als eine schwer zu kontrollierende Bevölkerungsgruppe angesehen, da sie häufig nicht innerhalb von nationalen Landesgrenzen, sondern in Naturräumen leben, die sich über mehrere Staaten erstrecken. Sie fühlen sich meist nicht an regionale Gesetze gebunden und stellen sich dem staatlichen Regelwerk der oftmals autoritären Staaten entgegen. Hinzu kommt, dass das Ausweisen neuer Nationalparks und flächenfressende Rohstoffprojekte die Weidemöglichkeiten immer mehr einschränken. Die Auswirkungen des Klimawandels auf den Nomadismus sind bislang geringer, als gemeinhin angenommen. Vielmehr sind die Niederschlagsmengen in den klassischen Nomadengebieten, wie beispielsweise im Sahel und in Zentralasien, in den letzten Jahrzehnten eher gestiegen als gefallen. Die eigentliche Bedrohung für die einst kulturell so reichen Nomadenkulturen des Altweltlichen Trockengürtels ist der unaufhaltsam voranschreitende kulturelle und soziale Wandel.

Wer die Lebensweise der heutigen Wüstenbewohner nicht verklären möchte, muss sich bewusst machen, dass die meisten von ihnen heute nicht mehr traditionell leben und wirtschaften. Das gilt für die sesshaft gemachten Nomaden der Sahelzone genauso wie für die Bewohner der glitzernden Millionenstadt Dubai. Oftmals haben die Ausbeutung von Rohstoffen, die Erschließung fossiler Grundwasservorkommen oder die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung zu einem enormen Kulturwandel bei vielen Wüstenvölkern geführt.

Rub al-Khali

Die Rub al-Khali ist mit einer Fläche von 780.000 Quadratkilometern die weltweit größte Sandwüste und gehört zum Typ der Wendekreiswüsten. Ihr größter Teil gehört zu Saudi-Arabien, aber ihre Ausläufer reichen bis in den Oman, in die Vereinigten Arabischen Emirate und in den Jemen. Ihre Dünen erreichen Höhen von bis zu 200 Metern und mehr. Das typische trocken-heiße Wüstenklima weist Niederschlagswerte von weit unter 50 Millimetern pro Jahr auf. Unter der Sandwüste befindet sich ein großer Grundwasserspeicher, der Nubische Aquifer. Dessen Grundwasser wurde in feuchten Perioden des Pleistozäns (Eiszeitalter) gebildet. Die jüngste Feuchtphase fällt in das Holozän, in die Zeit vor etwa 8000 bis 5000 Jahren. Von da an war das Klima ähnlich trocken wie heute. Den hohen Dünen, dem Fehlen von Oasen und ihrer enormen Größe verdankt die Rub al-Khali ihren Beinamen: »Das leere Viertel«.

Zwei Jahrzehnte lang hatte ich immer wieder versucht, ein Visum für Saudi-Arabien zu bekommen. Im Jahr 2011 erhielt ich eine Einladung des saudischen Ministeriums für Wasser und Elektrizität, ein hydrologisches Projekt fotografisch zu dokumentieren, das die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) zusammen mit Dornier Consulting unter Leitung von Prof. Randolf Rausch durchführte. Es war Teil einer landesweiten Initiative, bei der die gesamten Wasservorräte des Landes erfasst werden, um belastbare Daten für zukünftige Planungen zu erhalten. Mein Freund Jörg Reuther und ich konnten eine wissenschaftliche Expedition in die entlegensten Teile der Rub al-Khali begleiten. Die drei deutschen Geologen Prof. Martin Keller, Prof. Oliver Lehnert und Tobias Dorsch wollten dort Brunnen beproben. So entstand eine Art Wasseratlas, der genaue Angaben zu den 1000 Brunnen der Rub al-Khali liefert. Wir mussten mit den schwer beladenen Toyota-Landcruisern hohe Dünen queren und uns durch weichgründige Salzpfannen quälen, Einsandungen waren an der Tagesordnung. Die beiden Militärs, die uns begleiteten, sorgten im sensiblen Grenzgebiet zum Oman und zum Jemen für unsere Sicherheit und kochten Abend für Abend auf dem Feuer Ziegenfleisch, das gerade noch blökend auf der Ladefläche gestanden hatte. Geschlafen wurde in warmen Schlafsäcken unter den Sternen im Sand der Rub al-Khali.

Im Januar 2015 reiste ich mit meiner Frau Elly erneut nach Saudi- Arabien, um für die King Abdullah University of Science and Technology Vorträge zu halten. Anschließend bereisten wir mit Prof. Martin Mai den Norden des Landes und besuchten die nabatäische Nekropole Hegra sowie die alte Handelsstadt Al-’Ula.

Pamir

Der Pamir ist ein Hochgebirge in Zentralasien, das von Tadschikistan bis nach Afghanistan, China und Kirgisistan reicht. Dort leben etwa 230.000 Menschen. Während im Westpamir tief eingeschnittene Täler und Steilhänge die Hochgebirgslandschaft prägen, sind glattere Reliefformen und Hochebenen typisch für den wüstenhaften Ostpamir. Das Klima dort ist kontinental, die jährlichen Niederschlagsmengen liegen oftmals unter 150 Millimetern. Auf den Hochebenen leben Kirgisen, die dort Yaks und Schafe züchten. Das von den Gletschern und Schneefeldern gespeiste Schmelzwasser lässt auf dem »Dach der Welt« fruchtbare Hochweiden gedeihen. Durch die abgeschiedene Hochgebirgslage haben sich viele Traditionen und kulturelle Eigenheiten erhalten. Die Bewohner des Pamir sind meist Ismailiten, deren religiöses Oberhaupt der Aga Khan ist. Lebensader der Region ist der 1300 Kilometer lange Pamir Highway, der die tadschikische Hauptstadt Duschanbe mit Osch in Kirgisistan verbindet. Der Pamir Highway führt durch das gleichnamige Gebirge und überwindet dabei zahlreiche, über 4000 Meter hohe Pässe.

Mein Reiseziel im Pamir war die autonome Region Gorno-Badakhshan, kurz GBAO. Sie nimmt 45 Prozent der Staatsfläche Tadschikistans ein, bei einer Bevölkerung von lediglich drei Prozent. Im Ostpamir finden sich weit nördlich des Wendekreises die trockensten Gebiete des Pamir. Jörg Reuther und ich flogen nach Duschanbe und gelangten nach einer 14-stündigen Autofahrt nach Khorog. Die dort tätige GIZ hatte mich gebeten, einige Projekte zur Bekämpfung der Desertifikation im Pamir zu dokumentieren. So besuchten wir Wiederaufforstungsprogramme sowie Projekte, welche die bessere Isolierung von Häusern zum Ziel haben, um den Energiebedarf in den extrem kalten Wintern zu reduzieren. Wurde die ehemalige Sowjetrepublik früher mit Kohle aus Russland versorgt, werden die Öfen heute oftmals mit dem Tereskenstrauch beheizt, der an den Hängen des Pamir einen wichtigen Erosionsschutz darstellt. In einem altersschwachen russischen UAZ-Bus folgten wir dem Pamir Highway von Khorog bis Murghab. Die zahllosen Motorpannen konnte unser Fahrer Pamirbek jeweils vom Fahrersitz aus reparieren, da der Motor praktischerweise zwischen Fahrer- und Beifahrersitz platziert ist. Trotz Kälte und Pannen machten wir diverse Abstecher in den legendären Wakhankorridor und zum tiefblauen See Yashil Kul sowie in ein Gebiet an der afghanischen Grenze, in dem Tausende der seltenen Marco-Polo-Schafe in einem privaten Schutzgebiet leben.

Thar

Die Wüste Thar ist Teil eines ausgedehnten Trockengebiets im Nordwesten des indischen Subkontinents, das große Teile Rajasthans einnimmt. Jenseits der indisch-pakistanischen Grenze reicht es bis an den Indus heran und trägt dort den Namen Cholistan. Monsunale Regenfälle zwischen Juli und September ergeben je nach Region Niederschlagsmengen von 150 bis 400 Millimetern, sodass in der Thar keine vegetationsfreien Gebiete existieren. Wo der Eindruck einer Vollwüste besteht, hat das in der dicht besiedelten Thar mit der Übernutzung durch den Menschen durch Überweidung zu tun. Teile der Thar sind von Dünenketten geprägt, die von Nordosten nach Südwesten verlaufen und meist dicht mit Buschwerk bestanden sind. Die Menschen leben in kleinen Dörfern von Ziegen- und Schafhaltung und betreiben Trockenfeldbau. Die Fertigstellung des 470 Kilometer langen Rajasthan-Kanals, der Wasser aus dem Punjab heranführt, hat zu einer sprunghaften Bevölkerungszunahme in den Bewässerungsgebieten geführt. Die Thar gilt heute als die am dichtesten besiedelte Wüste der Erde. Für die Landbevölkerung ist das Kamel das wichtigste Arbeitstier. Große Berühmtheit hat der Kamelmarkt von Pushkar am Ostrand der Thar erlangt, einer der größten der Welt. Er findet in den beiden Wochen vor dem Vollmond im heiligen Monat Kartik Purnima statt. In der Vollmondnacht strömen Hunderttausende Hindu-Pilger nach Pushkar, um ein Bad im heiligen See zu nehmen.

Im November 2014 reisten mein Sohn David, mein Freund Thilo Mössner und ich nach Rajasthan. Wir flogen nach Delhi, organisierten dort in den frühen Morgenstunden einen klapprigen Tata samt Fahrer, der uns in halsbrecherischer Fahrt in das 450 Kilometer entfernte Pushkar brachte. Der jährlich stattfindende Kamelmarkt war bereits in Auflösung begriffen, aber der Pilgerstrom schwoll von Stunde zu Stunde mehr an. In der Nacht vor dem Vollmond waren die engen Gassen von Pushkar völlig überfüllt, sodass mit unseren Kamerastativen kaum ein Durchkommen war. Ich war beeindruckt, dass die Pilger trotz der Enge immer gelassen blieben und sich auf die Spiritualität des Ortes in diesen Tagen einlassen konnten. Wir verließen Pushkar mit unserem Tata und fuhren weiter in die nahe der pakistanischen Grenze gelegene Wüstenstadt Jaisalmer, wo wir einen geländegängigen Mahindra-Jeep mieteten. Unser Fahrer Khuba freute sich, dass wir von den üblichen Routen abwichen. In den kleinen Dörfern wurden wir von den Kleinbauern freundlich in ihre Lehmhütten zum Chai eingeladen. Vom Hightech-Land Indien, das Raumschiffe zum Mars schickt, war dort noch wenig zu spüren.

Spiti und Ladakh

Indien besitzt neben der Wüste Thar in Rajasthan mit Spiti und Ladakh im Himalaya weitere, kleinräumige Wüstengebiete. Es handelt sich um tief eingeschnittene Täler, die vom Indus und anderen Flüssen geprägt sind. Einzig im Osten Ladakhs öffnet sich die Landschaft und erinnert an die Hochebenen des benachbarten Tibet. Ladakh und Spiti haben ihre Trockenheit der Lage nördlich des Himalaya-Hauptkamms zu verdanken, der dafür sorgt, dass die regenbringenden Monsunwolken nicht weiter nach Norden ziehen und sich dort abregnen können. Hinzu kommt die meeresferne Lage inmitten des asiatischen Kontinents. In Ladakh leben 300.000 Menschen, in Spiti hingegen nur 30.000. Die vorherrschende Religion ist der tibetische Buddhismus, der anders als in Tibet weder der chinesischen Kulturrevolution noch den anhaltenden Repressalien Pekings ausgesetzt war. Entsprechend zahlreich sind die Gompas genannten Klöster, die bis heute für die Dorfgemeinschaften große Bedeutung haben.

Wir waren nach Leh, in die Hauptstadt Ladakhs, geflogen, um mit einem indischen Mahindra-Jeep über den 5300 Meter hohen Chang-La-Pass zu den Seen Pangong Tso und Tso Moriri in den Osten Ladakhs aufzubrechen. Anders als im engen Industal hat sich die Landschaft dort bereits geöffnet und erinnert an das nahe Tibet. Die einsame Region ist der westliche Ausläufer des Changtang-Plateaus, das weite Teile Tibets einnimmt. Von dort ging es zurück auf den holprigen, einspurigen Manali-Leh-Highway, der den Himalaya überwindet. Kurz bevor er sich zum Rohtang-Pass hinaufschlängelt, zweigt eine unscheinbare Piste ins Chandra-Tal ab, wo wir den Mondsichelsee besuchten. Noch einmal klettert die Straße auf über 5000 Meter Höhe. Vom Kunzum-La-Pass fällt der Blick nach Spiti, in ein weitgehend vegetationsloses Tal, auf dessen Grund der gleichnamige Fluss die einzige Lebensader ist. Das Tal reicht von der Zanskar Range bis an die tibetische Grenze im Osten und wird im Norden durch Ladakh und im Südosten durch den Distrikt Kinnaur begrenzt. Die Einwohner von Spiti bauen auf ihren winzigen, bewässerten Feldern Gerste und Erbsen an. Sie sprechen Bothi, eine dem Tibetischen ähnliche Sprache. Erst 1992 wurde der Zugang nach Spiti im indischen Bundesstaat Himachal Pradesh durch die indischen Behörden erlaubt, und so hat sich hier das traditionelle Leben bis heute weitgehend erhalten. Anders als in Ladakh, das an Pakistan grenzt, zeigt die indische Armee in Spiti kaum Präsenz. Rechtzeitig vor Einbruch des langen Winters verließen wir das Tal von Spiti wieder über den Kunzum-La-Pass und konnten den Roh- tang-Pass trotz erheblicher Erdrutschgefahr gerade noch überqueren.

Gobi

Die Wüste Gobi liegt im Süden der Mongolei, grenzt an den Norden Chinas und erstreckt sich über eine Fläche von einer Million Quadratkilometern. Sie ist mehr eine Wüstensteppe als eine Wüste, wenn auch die fortschreitende Desertifikation den wüstenhaften Eindruck regional verstärkt. Dies gilt auch für die verschiedenen Dünengebiete, die in der Mongolei Els genannt werden.

Die Gobi liegt weit nördlich des Wendekreises und ist das nördlichste Trockengebiet der Erde. Ihre Trockenheit liegt in ihrer meeresfernen Lage begründet, da sie weder von feuchten atlantischen Luftmassen noch vom chinesischen Monsun erreicht wird. Klimatisch wirksam sind auch die sie umgebenden Gebirge, die Niederschläge fernhalten. Das Klima der Gobi ist streng kontinental: Kein Trockenwüstengebiet der Erde weist größere Temperaturunterschiede auf. Die Temperaturen können an Sommertagen auf über 40 Grad Celsius steigen, in Winternächten jedoch bis auf minus 50 Grad Celsius fallen. Der Himmel ist im Winter aufgrund des Einflusses des sibirischen Kältehochs meist wolkenlos. Sommerliche Staub- und Sandstürme sind häufig und beeinträchtigen die Luftverhältnisse sogar bis ins weit entfernte Peking.

Anders als auf früheren Reisen wollte ich die Gobi dieses Mal im tiefsten Winter bereisen. Meine Freunde Jörg Reuther, Ralf Leistl und ich waren in die mongolische Hauptstadt Ulan Bator geflogen, mein Motorrad war per Bahnfracht mit der Transsibirischen Eisenbahn in die Mongolei gelangt. Bei Temperaturen von unter minus 40 Grad Celsius fuhr ich von batteriebeheizter Unterwäsche gewärmt auf meiner schweren Maschine von Dalandsadgad durch die Gobi bis in den Altai im Westen. Meine Freunde, zwei mongolische Fahrer sowie ein Übersetzer begleiteten mich in zwei russischen Geländebussen. Einige bitterkalte Nächte verbrachten wir in unseren eigenen Zelten, oftmals genossen wir aber auch die Gastfreundschaft von Nomaden und übernachteten in ihren mit Yakdung geheizten Jurten. Sie sind mit ihren Weidetieren oft sommerlicher Dürre und extremer Winterkälte ausgesetzt.

Fotografischer Höhepunkt waren die Dünen von Khongor Els, die unter einer dünnen Schneedecke lagen. Weiter westlich stießen wir auf das einsame Wüstenkloster Amarbuyant an der Südflanke des Altai, wo einige Mönche während des langen Winters ausharrten. Unsere Suche nach den letzten Wildkamelen der Erde war erfolgreich; für diese Tiere ist im Westen der Gobi ein Schutzgebiet eingerichtet worden.

USA Südwest

In Nordamerika liegen vier Wüstengebiete: die Chihuahua, die Mojave, die Sonora und die Great Basin Desert. Lang gestreckte Gebirgsketten und sich dazwischen ausbreitende Beckenzonen prägen das Relief, das für die Trockenheit mitverantwortlich ist. Die Becken erhalten durch ihre Lage im Lee der Gebirgsketten nur wenige Niederschläge. Die Trockenheit von Niederkalifornien, der Baja California, als Teil der Sonora, ist auf ihre Lage am nördlichen Wendekreis zurückzuführen, außerdem wird sie durch den kalten Niederkalifornienstrom verstärkt.

Hier beschränke ich mich auf die Sonora und das Colorado-Plateau, das der Great Basin Desert zugerechnet wird. Das Colorado-Plateau hat eine Größe von 330.000 Quadratkilometern und gliedert sich in Hochebenen und Plateaus, die durch steile Böschungen und Stufen voneinander getrennt sind. Weltberühmte Nationalparks ziehen jährlich Millionen Touristen an und haben der ansonsten strukturschwachen Region einen gewissen Wohlstand beschert. Völlig andere Lebensbedingungen herrschen in den zahlreichen Indianer-Reservaten; große soziale Probleme und Perspektivlosigkeit prägen dort den Alltag.

Die Sonora erstreckt sich über eine Fläche von 320.000 Quadratkilometern von Kalifornien und Arizona bis nach Mexiko und über beide Seiten des Golfs von Kalifornien. Der Umgang der amerikanischen Gesellschaft mit ihren Wüsten ist ganz unterschiedlich. In der Wüste Nevadas wurden Atombomben getestet, in der Black Rock Desert treffen sich im Sommer Freaks aus aller Welt zum »Burning Man«-Festival, in Las Vegas lassen Leuchtreklame und Wasserspiele die Wüste vergessen, und bei Quartzsite überwintern Jahr für Jahr Hunderttausende Rentner in ihren Motorhomes. Gleichzeitig hat kein Land der Erde so viele Schutzgebiete in seinen Wüsten ausgewiesen wie die Vereinigten Staaten.

Meine Motorradreise startete in Salt Lake City und führte mich zunächst hinauf auf das Colorado-Plateau. Ich fuhr durch die Canyonlands und das Monument Valley und wanderte zur berühmten Wave. Während für diesen Besuch nur zehn Permits pro Tag verlost werden, drängen sich im Antelope Canyon inzwischen täglich bis zu 2000 Touristen. Die besten Bilder bekam ich während eines dreistündigen Flugs mit der jungen Pilotin Jerrine, die sich über dem Colorado-Plateau verirrte. Auch in der Sonora charterte ich Propellerflugzeuge, um die künstlich angelegte Wüstenstadt Sun City und einen Flugzeugfriedhof zu fotografieren. Meine Motorradreise führte mich letztlich auf dem Highway 66 bis an den Pazifik.

Sahel

Der Sahel zieht sich als Übergangszone zwischen Wüste und Trockensavanne am Südrand der Sahara vom Atlantik bis zum Roten Meer – manche Geografen sind der Ansicht, dass sich der Sahel bis zum Horn von Afrika erstreckt. Je nachdem beträgt die Distanz von West nach Ost 6000 bis 7500 Kilometer, seine Nord-Süd-Ausdehnung liegt im Westen bei 800, im Osten bei 150 Kilometern. Abhängig von der Niederschlagsmenge (150 bis 500 Millimeter jährlich) handelt es sich um eine Halbwüste, Dornbusch- oder Trockensavanne. Entsprechend unterscheidet sich auch die Nutzung der Landflächen durch die Sahelbewohner. Im nördlichen Sahel leben Nomaden, im südlichen Teil dagegen Bauern, die Subsistenzwirtschaft betreiben. Es kommt immer wieder zu Nutzungskonflikten zwischen Bauern und Nomaden. Beide Bevölkerungsgruppen sind einem hohen Dürrerisiko ausgesetzt. In den 1970er-Jahren kam es zu verheerenden Dürrekatastrophen, die Millionen Menschen verhungern ließen. Seit Mitte der 1980er-Jahre wird ein Anstieg der Niederschläge beobachtet, die den Sahel heute grüner als damals machen. Im Süden jedoch breitet sich die Wüste nach Süden hin kontinuierlich wegen fortschreitender Desertifikation aus.

2009 erhielt ich von der GIZ den Auftrag, verschiedene Entwicklungsprojekte im Norden Malis zu fotografieren, mit deren Hilfe die Desertifikation bekämpft werden soll. Gemeinsam mit meinen Freunden Dr. Joachim Kuolt und Bernd Wittmann startete die Reise in der malischen Hauptstadt Bamako und führte uns über Segou und Mopti durch das Niger-Binnendelta nach Timbuktu. Wir folgten dem Niger dann über Gao bis in die Republik Niger.

Eine Rückkehr in den Sahel war erst 2014 wieder möglich, als ich von der Hauptstadt des Tschad, von N’Djamena, aus in die Südsahara aufbrach. Reisen in Sahelländer, wie Mauretanien, Mali und Niger, waren in der Zwischenzeit für Europäer wegen des erheblichen Entführungsrisikos zu gefährlich geworden. Hinzu kam ein bewaffneter Konflikt in Mali, der im Januar 2012 begann, als die malischen Tuareg Azawad, ihren eigenen unabhängigen Staat, ausriefen, der jedoch von der internationalen Staatengemeinschaft nicht anerkannt wurde. In der Folge konnten Islamisten, die sich zeitweise mit den Tuareg verbündet hatten, weite Teile Nordmalis unter ihre Kontrolle bringen und terrorisierten die Bevölkerung. In Städten wie Timbuktu und Gao wurden viele Baudenkmäler unwiederbringlich zerstört. Im Januar 2013 gelang es französischen und malischen Truppen, die Islamisten aus den Städten zu vertreiben, vollständig besiegen konnten sie diese jedoch nicht.

Sahara

Die Sahara dominiert den Norden Afrikas, erstreckt sie sich doch 6000 Kilometer weit vom Atlantik im Westen quer durch den Kontinent bis hin zum Roten Meer. Ihre Nord-Süd-Ausdehnung beträgt 2000 Kilometer, damit hat sie eine Fläche von neun Millionen Quadratkilometern und ist die mit Abstand größte Wüste der Erde. Klimatisch ist die Sahara eine typische Wendekreiswüste, wenn auch der kalte Kanarenstrom im Westen und die meeresferne Lage der Ostsahara sowie der Ostjet die Trockenheit zusätzlich verstärken. Letztlich ist es ihre ungeheure Dimension, welche die Sahara zur Wüste der Wüsten macht. In der Sahara sind alle Landschaftsformen der Wüste vertreten, wobei entgegen allen Klischees Dünengebiete einen Flächenanteil von nur zehn Prozent ausmachen. Das Landschaftsbild ist meist das eines Tafellandes mit Becken und Senken. Im Zentrum der Sahara ragen die großen Gebirgsmassive des Hoggar und Tibesti auf. Zu erwähnen sind noch die Gebirge Aïr, Adrar des Iforas und das Ennedi sowie der Jebel Uweinat.

Waren bis Beginn der 1990er-Jahre Reisen in fast allen Regionen der Sahara möglich, ist es heute weitaus schwieriger. Banditen, Rebellen und islamistische Terrorgruppen machen ein Unterwegssein vielerorts sehr gefährlich. Anfang 2014 schien die Sicherheitslage im nördlichen Tschad aber ausreichend stabil. Unser Ausgangspunkt war die tschadische Hauptstadt N’Djamena, wo meine Frau Elly, mein Freund Jörg Reuther und ich zwei Toyota Landcruiser mit den beiden Fahrern Suleiman und Omar mieteten. Ziel war zunächst das vier Tagesreisen entfernte Ennedi-Gebirge, das für seine gewaltigen Sandsteinformationen bekannt ist. Die Pfeiler, Brücken und Bögen sind durch die Erosion von unterschiedlich hartem Sedimentgestein entstanden und in ihren Dimensionen einzigartig in der Sahara. Diese Gebirgsregion ist die Heimat einiger Tausend Tubu-Nomaden, die mit ihren Ziegen- und Kamelherden die schüttere Vegetation der Trockentäler nutzen. Dort sind 4000 bis 6000 Jahre alte Felszeichnungen zu finden, die gut genährte Rinder, Giraffen und Elefanten zeigen und damit die wesentlich besseren Lebensbedingungen in der Jungsteinzeit dokumentieren. Nordwestlich des Ennedi – und damit bereits in der Zentralsahara – liegen 18 Seen, die zusammen das größte Seengebiet der Sahara bilden. Sie sind Überreste des Paläotschad, jenes riesigen Binnenmeers, das vor 30 000 Jahren das gesamte Tschadbecken ausfüllte. Die Seen führen Wasser aus dem Nubischen Aquifer, einem Grundwasserspeicher, der bis heute mit dem reichlichen Regenwasser der Jungsteinzeit gefüllt ist.