Dünen im Death Valley in Kalifornien
Laguna Verde und Vulkan Licancabur auf dem bolivianischen Altiplano
Von Salz bedeckte Lagune auf dem chilenischen Altiplano

Die Wüsten Amerikas

Lage und Größe der Wüsten Amerikas

Der Anteil der Wüsten und Halbwüsten an der Gesamtfläche des Doppelkontinents Amerika ist mit 19,5 Prozent der geringste unter allen Kontinenten. Die Trockengebiete nehmen eine Fläche von 7.633.860 Quadratkilometer ein, wovon 4.256.000 Quadratkilometer auf Nordamerika und 3.373.450 Quadratkilometer auf Südamerika entfallen. Ihr Anteil an der Gesamtfläche Nordamerikas beträgt 20 Prozent und ist damit etwas höher als in Südamerika, wo sie 19 Prozent Flächenanteil besitzen. Der Anteil der hyperariden Gebiete ist mit zwei Prozent sehr gering. Die enorme meridionale Ausdehnung Amerikas – so wird der Doppelkontinent sowohl vom nördlichen wie vom südlichen Wendekreis durchzogen – bringt entsprechend differenzierte Klimaverhältnisse mit sich. Die Trockenheit der nordamerikanischen Wüsten wird ganz entscheidend von den Großstrukturen des Reliefs bestimmt. In Südamerika sind es die Anden, die erheblichen Einfluss auf die Ausprägung der Wüsten entlang der südamerikanischen Trockendiagonale nehmen. Nicht zu unterschätzen sind auch die Auswirkungen, die kalte Meeresströmungen wie der Humboldtstrom und der Kalifornienstrom auf das Klima haben.

Die nordamerikanischen Wüsten sind im nördlichen Mexiko und im Südwesten der USA zu finden: die Mojave-Wüste und die Great Basin Desert ausschließlich auf dem Staatsgebiet der USA, die Sonora und die Chihuahua im Norden Mexikos und im Südwesten der USA. Die Wüsten Südamerikas liegen entlang der südamerikanischen Trockendiagonale, die von Nordperu 5000 Kilometer weit bis an die patagonische Atlantikküste reicht. Die Atacama, eine typische Küstenwüste, ist ein Teil von ihr. Zwei isolierte südamerikanische Trockengebiete sind aufgrund relativ dichter Vegetation nicht zu den echten Wüsten zu rechnen: die Nordküste Venezuelas mit den vorgelagerten Inseln unter dem Winde und der Sertão im Nordosten Brasiliens. Die klimatischen Ursachen für ihre Trockenheit sind in beiden Fällen höchst komplex.

Die Wüsten Nordamerikas

Nordamerika weist mit der Chihuahua Desert, der Mojave Desert, der Sonora Desert und der Great Basin Desert vier Wüstengebiete auf. Weil sie gut zugänglich sind, gehören sie zu den besterforschten Wüsten der Welt. Entsprechend groß ist die Menge an Literatur und Kartenmaterial. Man wird aber kaum zwei Karten, Aufsätze oder Bücher finden, in denen sich die Grenzen der einzelnen Wüsten decken. So werden die Wüstennamen nicht nur für geologisch-tektonische Einheiten, sondern auch für vegetationsgeografische Regionen gebraucht. Hinzu kommt, dass amerikanische Geografen den Begriff »desert« wesentlich großzügiger auslegen als ihre europäischen Kollegen, die mit der Sahara eine »echte« Wüste vor den Toren Europas haben. Auch die in amerikanischen Darstellungen übliche Unterscheidung zwischen »high desert« und »low desert« ist in Europa nicht gebräuchlich.

Die Trockenheit der nordamerikanischen Wüsten wird vor allem von den Großstrukturen des Reliefs bestimmt. Dadurch, dass die Kordilleren im Südwesten der USA besonders weit auseinandertreten, wird zwischen den beiden Hauptsträngen, dem pazifischen Gebirgssystem im Westen und den Rocky Mountains im Osten, die Intermontane Zone geschaffen. Sie setzt sich aus Hochplateaus und Becken zusammen.

Das pazifische Gebirgssystem hält feuchte Pazifikluft wirksam ab, so dass die Niederschläge im Lee Werte einer Wüste erreichen. Der gleiche Effekt ist im Hochland von Mexiko zu beobachten, wo die Sierra Madre Occidental feuchte Pazifikluft abschirmt. Hier wird die Trockenheit noch durch die Lage am Wendekreis verstärkt.

Das Relief ist sowohl in der Intermontanen Zone der USA wie auch im Hochland von Mexiko durch die Basin-Range-Struktur geprägt. Sie zeichnet sich durch lang gestreckte Gebirgsketten (ranges) und dazwischen liegende Beckenzonen (basins) aus. Die Becken erhalten durch ihre Lage im Lee der Gebirgsketten nur wenige Niederschläge. Das trifft auf den größten Teil der nordamerikanischen Wüsten zu.

Bleibt noch zu erwähnen, dass die Trockenheit der Halbinsel Niederkalifornien nicht nur auf ihre Lage am nördlichen Wendekreis zurückzuführen ist, sondern auch durch den kalten Niederkalifornienstrom verursacht wird.

Nach dem gleichnamigen Bundesstaat in Mexiko benannt, ist die Chihuahua diejenige der nordamerikanischen Wüsten, die am weitesten nach Süden reicht. Südlich des Rio Grande umfasst sie das große, nach Süden rasch ansteigende mexikanische Hochland und ist von den Hochgebirgszügen der Sierra Madre Oriental und der Sierra Madre Occidental eingeschlossen. Etwa ein Drittel der Chihuahua reicht über die große Schleife des Rio Grande nach Norden hinauf, breitet sich im Südwesten von Texas aus und ragt mit zwei Sporen in das südliche Neumexiko hinein. Der mexikanische Teil der Chihuahua ist trockener, denn über dem Wendekreis führen absinkende Luftbewegungen in Verbindung mit dem Relief zu Regenarmut. An der Westseite der Wüste hindert die Sierra Madre Occidental die Winterstürme, die im Golf von Kalifornien entstehen, in die Chihuahua vorzudringen. Ähnlich verhält es sich im Osten: Die hohe Sierra Madre Oriental versperrt Winden aus dem Golf von Mexiko den Weg in die Wüste, und nur in den Sommermonaten überwinden Stürme die Höhen der Sierra und bringen Niederschläge.

Die Chihuahua-Wüste weist mehrere Vegetationsformen auf: die welligen Grasländer der vulkanischen Böden, Kreosotbusch-Ebenen, Kaktus-Savannen und die Agavenbestände der Kalksteinböden.

Die ungewöhnlichste Landschaft findet sich im Tularosa-Becken in New Mexico: Über eine Fläche von 770 Quadratkilometer dehnt sich dort das Dünenfeld von White Sands aus. Die Dünen sind schneeweiß, und ihr Sand besteht aus Gips, nicht aus Quarz. Obwohl das Mineral Gips in jeder Wüste vorkommt, existiert nirgendwo sonst auf der Erde ein so ausgeprägtes Gipsdünenfeld. Nach der Absenkung des Tularosa-Beckens entstand ein großer See, in den sich die Flüsse aus den umliegenden Bergen ergossen. Ihr Wasser brachte gelöste Mineralien mit, vor allem Gips. Nach dem Ende der letzten Eiszeit trocknete der See aufgrund der ansteigenden Temperaturen aus. Bei der Verdunstung fiel der Gips aus, und es bildeten sich Gipskristalle, die der Wind bis zum heutigen Tag zu Dünen auftürmt. An das Leben in den Gipsdünen haben sich über 60 Pflanzenarten angepasst.

Im Westen der Chihuahua liegt die Sonora. Sie ist 320.000 Quadratkilometer groß und erstreckt sich vom südöstlichen Kalifornien und südwestlichen Arizona hinab zum 24. Grad nördlicher Breite. Dabei umfasst sie beide Seiten des Golfs von Kalifornien. So gehören die Westhälfte des gleichnamigen mexikanischen Bundesstaats und fast die gesamte Halbinsel Niederkalifornien (Baja California) zur Sonora-Wüste. Die Höhenlage variiert stark: Sie nimmt von der Küste Niederkaliforniens im Westen bis zum Ostrand kontinuierlich zu und erreicht bis zu 3000 Meter ü. NN. Entsprechend unterschiedlich sind die Temperaturen, gleichwohl wird die Sonora gemeinsam mit der Chihuahua-Wüste zu den warmen Wüsten gerechnet. Die Niederschläge, die im Winter von den Stürmen über dem Pazifik, im Sommer aus dem Golf von Mexiko stammen, liegen zwischen 150 und 300 Millimeter pro Jahr.

Die auf zwei Jahreszeiten verteilten Niederschläge ermöglichen die auffällig reiche und fein gegliederte Vegetation der Sonora Desert. Sie besitzt weltweit die größte Anzahl von Kakteen und mit 27 Arten auch die größte Vielfalt. Die höchsten sind die sich wie Säulen erhebenden Saguaro- und die Orgelpfeifenkakteen.

Der Nordteil der Sonora ist unter dem Namen Colorado Desert bekannt. Er gehört zwar zu den trockensten Regionen der Sonora-Wüste, doch können dank der Wassermengen, die der Colorado kurz vor seiner Mündung in den Golf von Kalifornien führt, weite Gebiete bewässert werden. Der Golf von Kalifornien trennt die 1300 Kilometer lange Halbinsel Niederkalifornien, die über den Wendekreis nach Süden hinausreicht, vom mexikanischen Festland.

Nördlich an die Sonora-Wüste schließt sich die Mojave an. Unter den nordamerikanischen Wüsten ist sie die kleinste, hat jedoch die größten Höhenunterschiede. Sie liegt zum überwiegenden Teil in Südostkalifornien und reicht in das südliche Nevada und westliche Arizona hinein. Selbst ein Bergland, ist die Mojave umgeben von hohen Gebirgen, im Westen von der Sierra Nevada, im Süden von den San Bernadino Mountains, die sie von der dort angrenzenden Sonora-Wüste trennen. Im Norden und Nordosten liegen niedrige Bergzüge, welche die Grenze zur Great Basin Desert bilden. Die Sierra Nevada und die San Bernadino Mountains riegeln die Mojave fast vollständig von den feuchten Pazifikwinden ab; nur wenige Winterstürme überwinden diese Barrieren. So hat sie den geringsten Niederschlag aller nordamerikanischen Wüsten. In Barstow werden gut 100 Millimeter jährlich registriert, im Death Valley gerade einmal 40 Millimeter. Hier wurde im Juli 1913 die bis heute höchste registrierte Temperatur von 57 °C im Schatten gemessen.

Geologisch gesehen ist das 200 Kilometer lange, 10 bis 59 Kilometer breite Death Valley ein Graben – ein Stück Erdkruste, das an zwei Seiten entlang von Verwerfungszonen abgesunken ist. So erklären sich auch die enormen Höhenunterschiede: Im Death Valley liegt mit 86 Meter unter dem Meeresspiegel der tiefste Punkt Amerikas, von dem aus sich der Blick auf den 4418 Meter hohen Gipfel des Mount Witney öffnet. Das Störungssystem, zu dem das Death Valley gehört, ist noch heute in Bewegung. Das Death Valley hat auch außergewöhnlich abwechslungsreiche Landschaften zu bieten: Salzseen, farbenprächtige Canyons, Sanddünen und als Playas bezeichnete Lehmpfannen finden sich auf engstem Raum. Eine der Playas im Death Valley beherbergt ein weltweit einzigartiges Naturphänomen: Am Ende von 2,5 cm tiefen, oft Hunderte von Metern langen Spuren finden sich große Gesteinsbrocken (der größte wiegt 45 Kilogramm). Ihr Umriss und die Form der Spuren lassen keinen Zweifel daran, dass sie die Spuren in den Ton geritzt haben. Die Ursache der Wanderung – vom Rand der Playa ins Zentrum – ist noch Thema wissenschaftlicher Debatten. Eine These lautet, dass nach starken Regenfällen, wenn der Boden schlüpfrig ist, ein heftiger Wind die Steine über die Oberfläche treibt. Allerdings ist dies noch von niemandem beobachtet worden. Die Mojave-Wüste liegt überwiegend in Höhen von 600 bis 1200 Meter. Während in den tiefen Lagen Kreosotbüsche das Landschaftsbild beherrschen, wächst weiter oben die auffälligste Pflanze der Mojave: der Joshua Tree. Diese Yuccaart, die nur in der Mojave vorkommt, entwickelt einen Stamm, der sich oft schon kurz über der Basis verzweigt. Am Ende eines jeden Astes treten die spitzen, fein gezackten Blätter büschelförmig zusammen. Joshua Trees werden bis zu zwölf Meter hoch und kommen meist in großen Beständen vor.

Nördlich der Mojave schließt die Great Basin Desert an. Ihr Name geht auf ihre Lage im Großen Becken zurück, eine durch Gebirge im Osten und Westen eindeutig begrenzte Teilregion der Intermontanen Zone. Hier ist die Basin-Range-Struktur am stärksten ausgeprägt: Zahlreiche bis zu 3000 Meter hohe Gebirgsketten verlaufen von Norden nach Süden und wechseln sich mit weiten Teilbecken ab.

Als größte zusammenhängende Wüste Nordamerikas erstreckt sich die Great Basin Desert auf das nordöstliche Kalifornien, den größten Teil Nevadas und Utahs und Teile des südöstlichen Oregons. In den 1000 bis 1500 Meter hoch gelegenen Becken wächst eine von Wermut dominierte Kleinstrauchsteppe, Sagebrush genannt, die in den trockensten Gebieten vom Saltbush abgelöst wird. Das größte Teilbecken der Great Basin Desert liegt im Osten, dort nehmen der Große Salzsee und die ihn umgebende Wüste ausgedehnte Flächen ein. Der Große Salzsee ist der Rest des während der Eiszeit viel größeren Lake Bonneville.

Obwohl geologisch völlig anders geartet als die Basin Range Province des Großen Beckens, werden oftmals auch Teile des Colorado-Plateaus zur Great Basin Desert gerechnet. Das östlich des Großen Beckens gelegene, rund 2000 Meter hohe Colorado-Plateau weist kaum Ähnlichkeiten mit den übrigen Wüstengebieten Nordamerikas auf. Das eigentliche Plateau hat eine Größe von 330.000 Quadratkilometer und gliedert sich in Hochebenen und Plateaus, die durch steile Böschungen und Stufen voneinander getrennt sind. Hier finden sich die spektakulärsten Landschaften Nordamerikas, die jedes Jahr Millionen von Besuchern anziehen.

Die Lebensverhältnisse in den Wüsten Nordamerikas sind höchst verschieden. Hauptursache ist die unterschiedliche Wirtschaftskraft von Mexiko und den USA, die Jahr für Jahr Hunderttausende Mexikaner veranlasst, den durch die Sonora- und Chihuahua-Wüste verlaufenden Sperrzaun zu überwinden. Die eklatanten sozialen Unterschiede innerhalb der USA sind ebenfalls augenfällig. Der Sun Belt Arizonas zieht mit 300 Sonnentagen im Jahr wohlhabende Bürger aus allen Teilen der Vereinigten Staaten an, wobei die Senioren unter ihnen sich vorzugsweise in einer Adult City niederlassen. Auf den künstlich bewässerten Rasenflächen spielen garantiert keine Kinder, sie dürfen dort gar nicht wohnen. In starkem Kontrast dazu stehen Millionen von Motorhomes, die auf Dauercampingplätzen oder in der Wüste – dann meist von Schrottautos umgeben – einen Standplatz gefunden haben.

Die meisten Bewohner der Wüsten Nordamerikas sind weit davon entfernt, die Wüste als ihren Lebensraum zu akzeptieren. Sie versuchen vielmehr, die als widrig empfundenen Begleiterscheinungen wie die sommerliche Hitze mithilfe aufwendiger Technik zu minimieren. Dies gilt insbesondere für Millionenstädte wie Las Vegas und Phoenix, deren enormer Wasser- und Strombedarf durch eine Vielzahl von Staudämmen sichergestellt wird. Phoenix erhält sein Wasser aus dem Lake Mead, einem Stausee am Colorado River, und Strom vom Hoover-Damm-Kraftwerk, das auch Los Angeles und Las Vegas mit Energie versorgt.

Völlig gegensätzliche Lebensbedingungen herrschen in den Indianer-Reservaten, die zumeist auf dem Colorado-Plateau angesiedelt sind. Das größte ist das Navajo-Reservat, welches das Hopi-Reservat umschließt und sich über Arizona nach New Mexico, Utah und Colorado ausstreckt. Die Situation in den Reservaten, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts gegründet wurden, um die Indianer von den für weiße Siedler günstigen Gebieten fernzuhalten, und die später dann auch einen gewissen Schutz bieten sollten, ist von großen sozialen Problemen und Perspektivlosigkeit geprägt. Zusätzlich führt der Bevölkerungsdruck zur Überstockung der bereits erheblich degradierten Weiden.

Die Wüsten der südamerikanischen Trockendiagonale

Die südamerikanische Trockendiagonale zieht sich von Nordwest nach Südost, von Nordperu bis an die patagonische Atlantikküste und erstreckt sich über mehr als 5000 Kilometer. Sie umfasst neben der Atacama Teile des bolivianischen Altiplano, überquert bei 24 bis 26 Grad südlicher Breite die Anden und setzt sich dann östlich des Andenkamms bis nach Patagonien fort.

Auch wenn die Trockendiagonale ein durchgehendes Wüstenband darstellt, ist ihre Entstehung doch auf unterschiedliche klimatische Ursachen zurückzuführen und ihre Landschaftsvielfalt enorm. Da gibt es zum einen das schmale Band der Atacama, das nur 400 Kilometer südlich des Äquators beginnt und bis zum 25. Grad südlicher Breite reicht. Zum anderen zieht sich vom bolivianischen Altiplano ein Trockengebiet diagonal über die Anden bis nach Patagonien und reicht damit weit über die Südspitze der Atacama hinaus.

Manche Wissenschaftler beschränken die Atacama auf chilenisches Staatsgebiet und sehen in der Peruanischen Küstenwüste eine eigenständige Wüste. Anderen Geografen gilt die Peruanische Küstenwüste als Teil der Atacama, weil die klimatischen Verhältnisse ähnlich sind. Nach ihrer Ansicht, der wir uns hier anschließen, beginnt die Atacama in Nordperu und zieht sich über 3700 Kilometer nach Süden.

Die Atacama verdankt ihre Trockenheit hauptsächlich dem kalten, aus der Antarktis kommenden Humboldtstrom. Außerdem kreuzt die Wüste den südlichen Wendekreis, und die Anden schirmen sie von feuchten Luftmassen vom Atlantik und aus dem Amazonasgebiet ab. Dass die Wüste in Nordperu bis auf wenige hundert Kilometer an den Äquator heranreicht, einen Breitengrad, an dem man die immerfeuchten Tropen erwarten würde, erklärt sich durch das Umbiegen der peruanischen Küstenlinie nach Nordwesten. Dies hat zur Folge, dass der trockene Wind küstenparallel weht. Die Atacama besteht aus einer Küsten- und einer Binnenzone. Die Küstenzone ist von Mai bis November in Nebel gehüllt, der in Peru Garua, in Chile Chamanchaca heißt. Er hat die Entstehung der spezifischen Loma-Vegetation bewirkt, wobei die meisten dieser Pflanzen endemisch sind. Trotz hoher Luftfeuchtigkeit kommt es aber zu keinem Niederschlag, denn die unteren Luftschichten sind kälter als die oberen (Inversion). An vielen Orten der Küste hat es seit Jahrzehnten nicht geregnet.

Die Landschaft an der Küste ist oftmals durch eine Küstenkordillere geprägt, an manchen Stellen überragen gewaltige Dünen das Meer. Der Nebel reicht bis auf eine Höhe von 700 bis 1000 Meter ü. NN, darüber beginnt die meist sonnige Binnenzone. Sie zählt zu den trockensten Gebieten der Erde, denn sie liegt außerhalb der Nebelzone, und im Osten bildet die Andenkette eine Barriere gegen die feuchten atlantischen Luftmassen. Die Folge ist oftmals völlige Vegetationslosigkeit, so z. B. in der chilenischen Pampa Tamarugal. Aufgrund der extrem niedrigen Luftfeuchtigkeit und der Wolkenarmut wurde der Süden der chilenischen Atacama Standort der Europäischen Südsternwarte und anderer Observatorien, die den südlichen Sternenhimmel beobachten.

Oasen existieren in der chilenischen Atacama nur am Westfuß der Hochkordillere, die chilenischen Küstenstädte sind durch die extrem trockene Binnenwüste von den Oasen getrennt. So muss Antofagasta über eine 300 Kilometer lange Wasserleitung mit Wasser aus der Hochkordillere versorgt werden. Ganz anders verhält es sich in Peru, wo die Küstenstädte an Flussoasen liegen. Diese haben sich entlang der Flüsse aus den Anden entwickelt und erwirtschaften durch exportorientierten Anbau von Früchten einen erheblichen Teil des peruanischen Bruttosozialprodukts.

Bis in die 1870er-Jahre war Guano das wichtigste Exportprodukt der Atacama. Die Exkremente von Seevögeln waren in Europa zu Zeiten, bevor es Kunstdünger gab, wegen ihres reichen Gehalts an organischem Stickstoff als Dünger hochbegehrt. Die Guanogewinnung ist dem Fehlen jeglichen Regens zu verdanken, der den Vogelkot ansonsten wegspülen würde. Nachdem die fossilen Lager erschöpft waren, konnte nur noch die laufende Produktion abgebaut werden, so dass die jährliche Exportmenge von einst 500.000 Tonnen auf heute wenige zehntausend Tonnen sank.

Nach Ende des Guanobooms begann in der Atacama der Salpeterboom. Dieses Nitrat ist in den trockensten Gebieten der chilenischen Binnenwüste zu finden. Andere abbauwürdige Salpeterfelder auf der Erde gibt es nicht, denn die Anreicherung und Erhaltung der sehr leicht löslichen Nitrate ist nur unter den langfristig ariden Bedingungen der chilenischen Binnenwüste möglich. Der zur Dünger- und Schießpulverherstellung verwendete Salpeter war zu Beginn des 20. Jahrhunderts das wichtigste Bergbauprodukt Chiles: jährlich wurden bis zu drei Millionen Tonnen gewonnen. Nach der Entwicklung der synthetischen Stickstoffproduktion verlor er zwischen den beiden Weltkriegen schnell an Bedeutung. Die Rolle des Salpeters als wichtigstes Weltwirtschaftsprodukt Chiles übernahm das Kupfer.

Übrige Wüstengebiete

Ähnlich wie in der Atacama, so führen auch auf dem bolivianischen Altiplano die Einflüsse des Humboldtstroms in Kombination mit der Abschirmung feuchter atlantischer Luftmassen durch die Anden zu Trockenheit. Weiter südlich ist die Situation jedoch anders und komplexer. Nachdem die Trockendiagonale bei 24 bis 26 Grad südlicher Breite die Anden überquert hat, sind diese wiederum von Bedeutung, wenn auch in einer vertauschten Rolle: Nun halten sie feuchte Pazifikluft aus dem Westen fern, so dass die Niederschlagswerte schnell abnehmen und in Patagonien auf dem 50. südlichen Breitengrad eine Wüste entstand.

Théodore Monod gliedert die außerhalb der Atacama liegenden Gebiete der Trockendiagonale in drei Regionen: Anden-Region, Monte-Region und Patagonien.

Die Anden-Region zieht sich vom Titicaca-See bis nach Argentinien hinein und ist Teil des Altiplano, der 800 Kilometer langen und bis zu 130 Kilometer breiten Hochebene zwischen der Ost- und Westkordillere der Anden. Die auch Puna genannte Landschaft stellt eine mit Ichu-Gräsern und wenigen Büschen bewachsene Steppe dar. Salzseen und zum Teil aktive Vulkane prägen ihren südlichen Teil. Die extreme Höhe (3400 bis 4500 m) und die Trockenheit führen dazu, dass die südliche Puna bis auf die Ansiedlungen um einige Minen herum unbewohnt ist. Zwei Kamelarten, das Vikunja und das Guanako trotzen den extremen Bedingungen.

Die weiter südlich gelegene Monte-Region liegt östlich des Andenhauptkamms und zieht sich vom argentinischen Salta 2200 Kilometer weit bis nach Patagonien. Die Niederschläge liegen nicht höher als 100 bis 200 Millimeter pro Jahr, da die Anden feuchte Pazifikluft und die Sierra Cordoba feuchte Atlantikluft abweisen. Die Monte-Region weist eine typische Steppenvegetation auf, wobei Kakteen zahlreich vorhanden sind.

Weiter südlich beginnt die Patagonische Wüste, die ihre Trockenheit ebenfalls ihrer Lage im Lee der Anden verdankt. Die Trockenheit Patagoniens wird durch einen zusätzlichen Faktor verstärkt: Und zwar ist der Falklandstrom vor der patagonischen Atlantikküste zu kalt, als dass die Luftmassen dort viel Feuchtigkeit aufnehmen könnten. Es dominieren Busch- und Grassteppe, die Trockenheit und hohe Windgeschwindigkeiten lassen praktisch keine Landwirtschaft zu.