Die Wüsten Afrikas
Lage und Größe der Wüsten Afrikas
Afrika kann sicher als der Wüstenkontinent unter den Erdteilen gelten, sind doch 58 Prozent seiner Fläche Wüsten oder Halbwüsten. Dieser Anteil liegt zwar unter dem Wert Australiens (80 Prozent Australiens sind Trockengebiete), doch mit 17.309.280 Quadratkilometer nehmen die semiariden und ariden Gebiete Afrikas eine gewaltige Fläche ein, zumal 15 Prozent der Fläche Afrikas als hyperarid gelten. Die besondere Rolle, die Afrika bei den Wüsten spielt, ist in erster Linie auf die Sahara zurückzuführen, die mit 9 Millionen Quadratkilometer die mit Abstand größte Wüste der Erde darstellt und den afrikanischen Kontinent vom Atlantik bis zum Roten Meer durchzieht. Als einzige Wüste der Erde weist sie einen großen zusammenhängenden Trockengürtel auf, der klimatisch als hyperarid einzustufen ist. Die Sahara gehört zum Altweltlichen Trockengürtel, der in Mauretanien seinen Anfang nimmt und sich quer durch das nördliche Afrika und die Wüsten Arabiens bis nach China zieht.
Nimmt man die Wüsten am Horn von Afrika hinzu, sind 76 Prozent der Fläche nördlich des Äquators Wüste oder Halbwüste. Südlich des Äquators ist das Wüstenband entlang des südlichen Wendekreises nicht durchgehend. Der Grund liegt in den Meeresströmungen, welche auf die klimatischen Verhältnisse am Wendekreis einwirken. In der Namib-Wüste verstärkt eine aus der Antarktis kommende Meeresströmung, der Benguelastrom, die Trockenheit, im Südosten sorgen warme Meeresströmungen im Indischen Ozean für eine Abschwächung der Trockenheit am Wendekreis. Im Zentrum des südlichen Afrika liegen die Kalahari und die Karoo. Sie sind eigentlich keine Wüsten, denn hier haben meist sommerliche Niederschläge eine relativ dichte Vegetation zur Folge. In Afrika wird besonders deutlich, dass die Wüsten nördlich des Äquators wesentlich trockener sind als die südlich gelegenen.
Die Sahara
Die Sahara erstreckt sich vom Atlantik im Westen über mehr als 6000 Kilometer zum Roten Meer im Osten, von der Küstenzone des Mittelmeers und den Südhängen des Atlas im Norden über rund 2000 Kilometer bis zur Sahelzone im Süden. Knapp ein Dutzend Staaten haben Anteil an ihr: Marokko, Westsahara, Mauretanien, Mali, Algerien, Tunesien, Libyen, Niger, Tschad, Sudan, Ägypten. Die Sahara trennt die mediterrane Welt von Subsahara-Afrika – früher »Schwarzafrika« genannt. Aufgrund ihrer Größe und Bedeutung nennen Geografen sie einen Wüstenkontinent.
Die Sahara ist eine typische Wendekreiswüste. Ihr in jeder Hinsicht extremes Klima wird durch ihre Lage beidseits des nördlichen Wendekreises bestimmt. Im westlichen Mauretanien kommt noch die Nachbarschaft zum kalten Kanarenstrom hinzu.
Ein meist wolkenfreier Himmel mit einer Sonnenscheindauer von 4000 Stunden jährlich, ein dauernd hoher Sonnenstand, geringe relative Luftfeuchtigkeit und fehlende Vegetation machen die Sahara zum heißesten Gebiet größeren Umfangs auf der Erde. Die Sommertemperaturen erreichen bei starken tageszeitlichen Schwankungen mittlere Maxima von über 45 °C, in der algerischen Oase In Salah wurden 55 °C im Schatten gemessen. Da Bewölkung und Vegetation fehlen, kommt es zu extremer nächtlicher Abkühlung; die Schwankung kann an einem Tag bis zu 50 °C betragen.
Die Temperaturentwicklung ist starken tageszeitlichen und – in noch größerem Maße – jahreszeitlichen Schwankungen unterworfen. Im Winter steigen die Temperaturen in der zentralen Sahara oft nicht über 15 °C, vor allem in den Gebirgsregionen können sie nachts bis auf -20 °C fallen. Jeder Saharareisende wird dem arabischen Sprichwort Recht geben: »Die Sahara ist ein heißes Land, in dem es sehr kalt wird.«
Die nächtliche Auskühlung führt zu Bodeninversion: Die Temperatur nimmt mit der Höhe nicht ab, sondern zu. Dadurch stabilisieren sich die unteren, abgekühlten und sozusagen isolierten Luftschichten – Ursache für die Windstille vieler Saharanächte. In den frühen Morgenstunden bewirkt die bodennahe Erwärmung eine rasche Auflösung der Bodeninversion, und der Wind setzt wieder ein. Lange vor dem Sonnenhöchststand haben sich die bodennahen Schichten so erwärmt, dass die Temperatur mit zunehmender Höhe stark absinkt. Die heiße bodennahe Luft steigt in Konvektionsblasen von unten hoch. Optisch wird dieses Phänomen durch das Flimmern der Luft erkennbar. Entfernte Objekte scheinen näher gerückt und infolge der fasrigen Konvektionsstreifen aus Wasserflächen herauszuragen. Es entsteht ein fiktiver Horizont. Diese Sinnestäuschung hat als Fata Morgana schon viele Filme und Bücher bereichert.
Die relative Luftfeuchtigkeit erreicht Rekordwerte von drei bis fünf Prozent, die potenzielle Verdunstung liegt in manchen Teilen der östlichen Zentralsahara bei 6000 Millimeter jährlich. Zur Veranschaulichung: Ein sechs Meter tiefes Wasserbecken wäre dort in einem Jahr verdunstet. Daher erreichen schwache Niederschläge oft erst gar nicht den Boden, sondern verdunsten bereits einige 100 Meter über der Oberfläche. Regen, der Pflanzenwuchs ermöglicht, muss mindestens 5 Millimeter Niederschlag bringen.
In allen Gebieten wird die ausdörrende Wirkung der Luft durch den Wind verstärkt, der ständig neue trockene Luft heranführt. Nirgendwo in der Sahara gibt es mehr als 30 windstille Tage im Jahr. In der übrigen Zeit wehen richtungs- und geschwindigkeitsbeständige Winde. Die gefürchteten Sandstürme sind auf die heiße Jahreszeit konzentriert. Der in vielen Regionen als Harmattan bezeichnete Nordostpassat hat seine Ursache im Druckausgleich zwischen der subtropischen Hochdruckzelle über der Sahara und der Tiefdruckrinne über dem Äquator. Die durch die Erddrehung hervorgerufene Corioliskraft lenkt ihn ab und lässt ihn in der Sahara beständig aus Nordost wehen. Darüber hinaus gibt es je nach Jahreszeit und Region zahlreiche lokale Winde, die unter den Namen Chamsin, Schirokko, Halub und Ghibli bekannt sind.
Aus geologischer Sicht ist die Sahara ein 200 bis 500 Meter ü. NN gelegenes Tafelland mit weiten Becken und Senken, das im Innern von den Gebirgsmassiven Hoggar und Tibesti überragt wird. Daran schließen sich nach Süden das Aïr und das Adrar des Ifoghas an. Der nordöstliche Teil steigt nach Süden an und erreicht im Djebel Uweinat eine Höhe von fast 2000 m. Südlich davon erhebt sich das Ennedi-Gebirge. Östlich des Niltals, in der Arabischen und Nubischen Wüste, ist das Land aufgewölbt und bricht dann steil zum Roten Meer hin ab.
Der kristalline Untergrund, der in den Gebirgen und Schwellen zutage tritt, ist weitgehend von Sedimenten sowie vulkanischen Decken überlagert und von Basaltschloten durchstoßen. Mit Gesteinsschutt bedeckte Ebenen, die Hammadas, bestimmen ebenso wie Geröll- und Kieswüsten (Reg bzw. Serir) das Landschaftsbild. In weiten Becken hat der Wind Sandmassen aus Flüssen und zerfallenem Gesteinsschutt zu Dünengebieten zusammengeweht. In den meist abflusslosen Becken und Senken sind, besonders in der nördlichen Sahara, Salzsümpfe und Salzpfannen verbreitet. Mit dem Nil und dem Niger fließen zwei permanente Flüsse, wobei der Nil die Sahara von Süden nach Norden durchquert, der Niger sie in einem großen Bogen nur tangiert.
Geografen haben immer wieder versucht, den gewaltigen Sahararaum einzuteilen. Eine Zweiteilung entlang der Breitengrade liegt nahe, und so spricht man von der Nordsahara oberhalb des 25. Breitengrads und von der Südsahara südlich davon. Klimatisch unterscheiden die beiden Teile sich darin, dass etwaiger Regen im Norden in den Wintermonaten, im Süden während des Sommers fällt.
Eine weitere Zweiteilung ist die in eine Ost- und Westhälfte bei 10 Grad östlicher Länge. An diesem Längengrad wechselt die Küste sowohl im Norden (Syrte) als auch im Süden (Kamerun) schroff die Richtung, so dass sich die Zweiteilung in die Struktur des Erdteils einfügt. Der Ostteil ist im Ganzen flacher und noch trockener als der Westteil, und so liegt im Ostteil auch der trockenste Teil der Sahara – das hyperaride Zentrum der libysch-ägyptischen Wüste.
Heinrich Schiffers, Herausgeber des umfangreichsten Werkes über die Sahara in deutscher Sprache, teilte die Sahara in einen westlichen, mittleren und östlichen Teil ein. Die westliche Sahara umfasst den Teil zwischen dem Atlantik und den Vorländern der zentralen Gebirge; es sind Hochflächen, die von der Küstenebene nach Osten auf 400 Meter ansteigen. Im Süden des Hohen Atlas liegen die Tafilalet-Oasen, der Ort, an dem viele Europäer, darunter im Jahr 1982 auch ich, zum ersten Mal der Sahara begegnen. An Trostlosigkeit kaum zu übertreffen sind die Serirflächen des Tanezrouft im Südwesten Algeriens, in deren Westen sich das Sandmeer des Erg Chech erstreckt. Nordwestlich von Timbuktu befindet sich der erst Mitte der 1950er-Jahre erforschte sandige El Dschuf. Im Innern der westlichen Sahara gibt es keinerlei Siedlungen, mit einer einzigen Ausnahme: Taoudenni, das einst an der Hauptkarawanenstraße von Marokko nach Timbuktu lag. Im Süden geht die westliche Sahara mit einem Halbwüstenstreifen von Senegal bis zum Nigerbogen in die Savanne der Sahel-Sudan-Zone über.
Die Zentralsahara wird vom Hoggar- und Tibestimassiv dominiert. Beide sind über 3000 Meter hoch und beherbergen in ihren Tälern zahlreiche Oasen. Im Südwesten bzw. Süden des Hoggar-Gebirges, das von weitläufigen Tassilis (Plateaulandschaften) umgeben ist, sind das Adrar des Ifoghas und das Aïr-Gebirge vorgelagert. Zwischen dem Aïr und dem Tibesti liegt das frühere Becken des Paläotschad mit dem Erg du Bilma. Es erstreckt sich über 750 Kilometer und umfasst eine Fläche von 350.000 Quadratkilometer, wobei der berühmte Erg du Ténéré seinen Nordwestteil darstellt. Der Tschadsee ist der Rest des einst so mächtigen Paläotschad.
Die Nordhälfte der Zentralsahara beherrschen vier große Dünengebiete, das Große Westliche und Große Östliche Erg in Algerien sowie das Edeyen (vornehmlich Libysch für Erg) Ubari und das Edeyen Murzuk in Libyen. Am Rand dieser Dünenmeere finden sich bedeutende Oasenketten, wie im libyschen Fezzan.
Die östliche Sahara stellt eine weithin gleichförmige Hochfläche dar, in die mehrere große Oasenniederungen eingebettet sind. Im Süden, zwischen Tibesti und Nil, bilden sie eine riesige Sandsteinhochebene, die durch einige Tafelberge belebt wird. Weiter nördlich liegen die Tafelberglandschaft von Kufra mit ihren kleinen isolierten Oasenniederungen, ferner trostlose Serirstrecken, die mit Dünen besetzten Flächen der Region Libyscher Sandsee und das Gebiet der ägyptischen Senken mit den Oasen Bahariya, Dakhla und El Kharga. Auch im Norden verläuft in westöstlicher Richtung eine Senkungszone mit einer Anzahl Oasen, deren bekannteste Siwa ist. Zu dieser Senke gehört die Kattara-Depression, mit 133 Meter u. NN der tiefste Punkt der Sahara. Den Ostsaum des Plateaus durchzieht das Niltal, das einer tektonischen Linie folgt. Die Plateaus brechen hier stufenförmig oder mit einheitlichem Steilhang 100 bis 140 Meter tief ab. Stellenweise hat die Erosion des Flusses das widerständige Gestein des kristallinen Unterbaus erreicht. So sind zwischen Karthum und Assuan die sechs Nilkatarakte entstanden. Östlich des Niltals, in der Arabischen und in der Nubischen Wüste, steigt die Landoberfläche allmählich bis auf 2500 Meter an und fällt dann steil nach Osten hin ab. Diese Randschwelle ist stark zertalt und zeichnet sich infolge der etwas höheren Niederschläge durch eine steppenhafte Vegetation aus.
Dem Klimawandel der Sahara, der zeitweise sogar Savannenlandschaften ermöglicht hat, in denen Jäger- und Sammlerkulturen lebten, ist der Beitrag von Klaus Gießner in gewidmet. Seit den 1990er-Jahren wird ein Anstieg der Niederschläge beobachtet. Wie es scheint, ist er nicht unbedingt auf die weltweite Erwärmung zurückzuführen. Vielmehr dürfte es sich um natürliche Schwankungen der Niederschlagsmenge handeln, die Mitte der 1970er- und 1980er-Jahre zu den verheerenden Dürren im Sahel geführt haben.
Insgesamt leben in der Sahara etwa 2,5 Millionen Menschen, zum größeren Teil Oasenbewohner. Die 4,4 Millionen Quadratkilometer große Südsahara weist zwar 36 Orte auf, doch nur gut 100.000 Bewohner, und die Hälfte davon entfällt auf die sechs Orte Zouerate, Atar, Tamanrasset, Agadez, Bardai und Arlit. Hingegen zeichnet sich die Nordhälfte mit ihren Oasenketten durch wesentlich höhere Bevölkerungszahlen aus, zumal im Gefolge der Ölfunde Städte entstanden sind wie beispielsweise Hassi Messaoud.
In Bezug auf die ethnische Verteilung lässt sich die Sahara in drei große Bereiche einteilen: den arabischen bzw. arabophonen Bereich (viele Bewohner sind Arabisch sprechende Berber), das Tuareg- und das Tubugebiet.
Die Arabisch sprechende Bevölkerung lebt im Norden und Westen des Tuareggebiets, von Ägypten bis zum Atlantik, in den saharischen Teilen Libyens, Tunesiens, Algeriens, Marokkos und Mauretaniens. Ferner wird Arabisch in einem südlichen Streifen gesprochen, der vom Nil zum Tschad reicht. Die zweite Gruppe stellen die Tuareg dar, die im Hoggar, im Tassili n’Ajjer und im Aïr, aber auch bis zum Nigerbogen in Mali leben. Ihnen sind auch die negriden Bela zuzurechnen, welche die Tuaregsprache Tamascheq sprechen. Die Tubu sind zwischen dem Tschadsee und dem Tibesti-Gebirge, in Borku und bis ins libysche Kufra hinauf anzutreffen.
Das einigende Band der Saharavölker ist der Islam, ansonsten gibt es zwischen den einzelnen Völkern wenig Verbindendes, Mischehen sind beispielsweise selten. Kaum wird man Mauren und Tuareg gemeinsam Tee trinken sehen, wenngleich sich beide vermutlich mithilfe der Verkehrssprache Französisch verständigen könnten. Und obwohl sie vielleicht im selben Land leben, werden sie sich immer zuerst als Maure oder Tuareg und nicht als Bürger eines bestimmten Staates fühlen.
Noch vor wenigen Jahrzehnten gab die Saharaliteratur an, dass 60 Prozent der Bevölkerung Oasenbewohner seien, die übrigen Nomaden. Der Anteil Letzterer dürfte inzwischen erheblich gesunken sein. Viele Nomaden haben sich in den Oasen niedergelassen, in denen sie oftmals Land oder Datteln besaßen, oder sind als Dürreflüchtlinge in den Hauptstädten der südlichen Saharaländer gestrandet. Dennoch leben nach wie vor Hunderttausende Nomaden in der Sahara. In den Tälern des Ennedi, Tibesti, Aïr und Adrar des Ifoghas ist Nomadismus die einzige Überlebensmöglichkeit. Die Sahara gehört neben den Wüsten Zentralasiens zu den letzten Gebieten auf der Erde, wo Nomadismus als eine den naturräumlichen Bedingungen optimal angepasste Lebensweise noch existiert – und dies trotz aller Versuche der Regierungen, die »Nomadenfrage« durch Sesshaftmachung ein für alle Mal zu lösen.
Die Danakil-Somalia
Die Wüsten und Halbwüsten im Nordosten Afrikas stellen Geografen vor erhebliche Abgrenzungs- und Bezeichnungsprobleme. Wüste, Halbwüste und Dornbuschsavanne greifen hier auf engem Raum ineinander über, und es fehlt ein einheitlicher Name. Die in meinem Buch Die Wüsten Afrikas verwendete Bezeichnung »Wüsten des Rift Valley« lässt außer Acht, dass die Wüstengebiete auf der Somali-Halbinsel nicht zum Rift Valley gehören. Der von Théodore Monod trotz erheblicher Zweifel gewählte Begriff »Danakil-Somalia« berücksichtigt wiederum die Wüstenregionen Nordkenias nicht. Eigene ausgedehnte Reisen nach Nordkenia, Somalia und in die Danakilsenke haben zu meinem Entschluss geführt, mich dennoch Monods Namensvorschlag anzuschließen, denn die Danakil ist nicht nur die größte, sondern auch in jeder Hinsicht extremste Wüste im Nordosten Afrikas.
Die Trockenheit der Wüsten im Nordosten Afrikas hat zwei Ursachen. Erstens stehen auch diese Gebiete unter dem Einfluss des Nordostpassats. Dieser führt von der Arabischen Halbinsel heiße und trockene Luftmassen heran, welche die feuchte Äquatorialluft verdrängen. Zweitens hat das ausgeprägte Relief des Rift Valley eine starke Differenzierung der Niederschlagsmengen zur Folge, so dass die Niederschlagswerte in Lee-Lagen um ein Vielfaches geringer als in Luv-Lagen sind. So liegt die hyperaride Danakilsenke im Lee des Abessinischen Hochlands.
Die Danakil-Somalia setzt sich aus drei Wüstenregionen zusammen: Die erste ist die Region zwischen dem Turkanasee und der kenianischen Provinzhauptstadt Marsabit, deren Nordteil unter dem lokalen Namen Chalbi bekannt ist. Sie wird bei Marsabit von einem Vulkanmassiv überragt, das von dichtem Bergnebelwald überzogen ist. Bevor sie durch Wilderer ausgerottet wurden, lebten hier Elefanten mit außergewöhnlich großen Stoßzähnen. Südlich der Chalbi- liegt die Kaisut-Wüste, beide typisches Nomadenland.
Zwischen der äthiopischen Grenze und Marsabit siedeln 70.000 Boran, zwischen Marsabit und dem Ostufer des Turkanasees 30.000 Gabbra, weiter südlich leben die Samburu und die ihnen kulturell ähnlichen Rendille. Westlich des Turkanasees liegt das Land der Turkana, die auf ihren Kriegszügen bis heute in die angrenzenden Gebiete der Pokot und Samburu vordringen.
Den Gegebenheiten des Naturraums entsprechend, züchten Samburu, Pokot, Turkana und Boran Rinder, Rendille und Gabbra Kamele. Wegen der Verschlechterung der natürlichen Ressourcen nehmen die Rinderzüchter aber auch Kamele in ihre Herden auf. Viehraub ist nach wie vor üblich.
Die Wüstengebiete der Somali-Halbinsel, die ebenfalls zu Danakil-Somalia gehören, sind wegen der am Horn von Afrika oft instabilen Lage kaum erforscht. Die Halbinsel fällt von mittleren Höhenlagen zum Indischen Ozean ab und steigt am nördlichen Rand stellenweise auf bis über 2000 Meter auf. Davor erstreckt sich am Golf von Aden eine Küstenwüste. Die Somali-Halbinsel hat ihren Namen von dem mehrere Millionen Menschen umfassenden gleichnamigen Volk, das sich zum Islam bekennt und ein starkes ethnisch-kulturelles Zusammengehörigkeitsgefühl besitzt, was trotzdem nicht verhindern kann, dass sich verschiedene Clans unerbittlich bekämpfen.
Bei der dritten Wüstenregion von Danakil-Somalia handelt es sich um das Afar-Dreieck. Es hat eine Fläche von 150.000 Quadratkilometer. Begrenzt wird es im Westen durch den Steilhang der Abessinischen Hochebene, im Osten durch das Rote Meer und im Süden durch eine Linie, die von der Region Awash zur somalischen Küstenstadt Berbera führt. Die nördliche Spitze des Afar-Dreiecks liegt bei der eritreischen Hafenstadt Massawa.
Das Afar-Dreieck gehört zu den geologisch aktivsten Regionen der Erde. Der Vulkan Erta Ale mit seinem Lavasee ist ein sichtbarer Beweis, dass hier heißes Gesteinsmaterial aufdringt. Ein »Plume« – ein mächtiger Aufstrom von Schmelze aus dem Erdinneren – drückt gegen die harte Schale der Erde. Die Gesteinskruste dünnt aus und bricht schließlich auf. Die Risse weiten sich aus und werden zu Gräben, wo dann Vulkane entstehen. Dieser Vorgang vollzieht sich seit Jahrmillionen und dauert bis heute an.
Im Afar-Dreieck ist die Erdkruste über dem Plume sternförmig auseinandergebrochen. Hier treffen, was sonst nur auf dem Boden der Weltmeere vorkommt, drei tektonische Platten aufeinander. Im Lauf der letzten 40 Millionen Jahre hat der Druck im Erdinneren drei Gräben geöffnet, die von der Danakil-Senke im Afar-Dreieck aus in 120º-Winkeln auseinanderlaufen. Zwei davon, der Graben des Roten Meeres und derjenige im Golf von Aden, sind heute mit Meerwasser gefüllt. Sie trennen die arabische von der afrikanischen Platte. Die Dehnungsbewegung ist immer noch im Gang. Wie Satellitenmessungen ergeben, entfernen sich Afrika und Arabien jedes Jahr um anderthalb bis zwei Zentimeter. Weniger aktiv ist der dritte und jüngste Riss, das Rift Valley, der Ostafrikanische Grabenbruch. Er weitet sich pro Jahr um ungefähr sechs Millimeter und zieht sich vom Afar-Dreieck aus Tausende Kilometer weit nach Süden durch die Savannen Ostafrikas bis nach Mosambik, wo er im Indischen Ozean verschwindet. In vielen Millionen Jahren könnte das Meer auch in den ostafrikanischen Graben eindringen. Vielleicht entsteht dann ein neuer Ozean, der irgendwann den afrikanischen Kontinent spaltet.
Dort Vulkan Erta Ale, in der Sprache der Afar »Rauchender Berg«, besitzt zwei Pitkrater, einer von beiden mit einem Lavasee. Die Oberfläche des Lavasees wird von einer schwarzen, metallisch glänzenden Haut bedeckt, die von rot glühenden Rissen durchzogen ist. Im Abstand weniger Minuten schießen bis zu 15 Meter hohe Lavafontänen heraus. Nach ein bis zwei Minuten fällt die Fontäne in sich zusammen und zieht sich in einem Strudel tief in die Schmelze zurück, wobei sie große Teile der Haut mit sich reißt. 2025 floss die Lava aus dem See durch eine Spalte ab, die sich infolge einer Vulkaneruption aufgetan hatte, doch es ist möglich, dass sich wieder ein Lavasee bildet.
75 Kilometer weiter nördlich liegt 120 Meter u. NN das Dallol. Heiße sprudelnde Quellen spülen Salz aus dem Boden heraus, lagern es ab und erzeugen dabei eine intensiv gefärbte, surreale Welt. Rings um die Wasseraustritte wachsen wuchtige, blendend weiße Kamine, zum Teil mehrere Meter hoch. Sie sind umgeben von hellgelben Krusten, älteren Ablagerungen, in deren Vertiefungen sich grellgrünes, klares Wasser sammelt. Jede Quelle sprudelt nur ein paar Wochen lang. Die alten Salzablagerungen trocknen aus, verbleichen oder werden zu einer rostbraunen Kruste. Man weiß nicht genau, woher das Salz hier am tiefsten Punkt der Danakil-Senke stammt. Vermutlich ist das Rote Meer vor Jahrmillionen ins Afar-Dreieck vorgestoßen und in der Hitze verdampft. Das Salz blieb zurück. Die Salzschicht am Dallol soll mehr als 1000 Meter dick sein.
Die Danakil-Wüste ist Lebensraum für ungefähr 100.000 Afar-Nomaden, die in Veröffentlichungen früher gern als »wild und grausam« beschrieben wurden. Zu diesem Vorurteil hat sicher beigetragen, dass die Afar einst ihren Feinden die Genitalien abschnitten und sich als Trophäen um den Hals hängten. Während des 30-jährigen Befreiungskriegs Eritreas bildeten die Afar eine eigene Widerstandsgruppierung, die Afar Liberation Front unter der Führung des Sultans Ali Mirah. Nach dem Sturz des Mengistu-Regimes in Äthiopien sind Teile der Befreiungsfront militärisch aktiv geblieben. Bis heute machen die Afar Reisen in die Danakil-Senke zu einem gefährlichen Unternehmen.
Die Kalahari und die Karoo
Im Zentrum des südafrikanischen Subkontinents liegt die Kalahari. Sie umfasst eine Fläche von 1,2 Millionen Quadratkilometern, was der dreifachen Größe Deutschlands entspricht. Ihr roter Sand reicht zwar vom südafrikanischen Oranjefluss bis an die Grenze des kongolesischen Regenwaldes, ihr Kernbereich liegt aber im östlichen Namibia und in Botswana. Geologisch stellt die Kalahari eines der drei großen Becken Afrikas dar. Wenn auch meist so bezeichnet, ist sie keine echte Wüste. Manche Teile können als Halbwüste gelten, der weitaus größte Teil der Kalahari aber zählt zur Dornbusch- und Trockensavanne, die mit Akazien, im Norden gar von Mopane-Wäldern bestanden ist. Jährliche Niederschlagsmengen von 150 bis 250 Millimeter, im Norden bis 500 Millimeter sind alles andere als wüstenhaft. Der Mangel an Oberflächenwasser mag dazu geführt haben, dass die Kalahari für eine Wüste gehalten wird. Aufgrund der hohen Wasserdurchlässigkeit des Kalaharisands kommt es zu einem schnellen Versickern der sommerlichen, oft heftigen Regenfälle. Nur in den zahlreichen eingelagerten Pfannen (Pans) hält sich das Wasser für längere Zeit. In trockenem Zustand handelt es sich um Alkali- und Sodapfannen, deren Boden sich bei Befeuchtung in »Schmierseife« verwandelt. Die zeitweise vorhandenen Wasserflächen ziehen riesige Tierherden an, die Nxai, Deception und Makgadikgadi Pans in der zentralen Kalahari sind hierfür berühmt.
Die höchste Tierdichte der Kalahari ist im Okavangodelta anzutreffen. Der Okavango kommt aus dem regenreichen Benguelaplateau in Angola. Er strömt Hunderte von Kilometern als Fremdlingsfluss durch die Kalahari, bevor er sich im Nordwesten Botswanas in ein gewaltiges Binnendelta ergießt, das mit 17.000 Quadratkilometer nur wenig kleiner als das Nildelta ist. Die Wassermassen des Okavango benötigen fünf Monate, bis sie sich vom Eintritt ins Delta durch den Kalaharisand zum Rand des Deltas bei Maun vorgearbeitet haben und dieses überfluten. Aufgrund ausbleibender Regenzeiten in Angola und hoher Wasserentnahmen für Bewässerungsprojekte in Namibia ist das weltweit einmalige Ökosystem bedroht. Katastrophale Auswirkungen hätte die Verwirklichung namibischer Pläne, mit einer gewaltigen Pipeline die Wasserversorgung der namibischen Hauptstadt Windhuk sicherzustellen.
Galt die Kalahari Mitte des 20. Jahrhunderts noch zu großen Teilen als unerforscht und unzugänglich, durchzieht ihre Weiten heute ein dichtes Netz von Straßen, Pisten und Viehzäunen. Botswana gehörte zu den zehn ärmsten Ländern der Erde, als 1967 große Diamantenvorkommen in der Kalahari entdeckt wurden. Die Minen von Orapa, Jwaneng und Letlhakane haben Botswana zu einem der größten Diamantenproduzenten der Welt gemacht. Weitere wichtige Wirtschaftszweige sind der Tourismus und die industriell betriebene Rinderzucht. Letztere führte durch massive Überweidung großflächig zur Degradation der kalaharischen Ökosysteme.
Die San, früher »Buschleute« genannt, haben eindrucksvoll bewiesen, wie man Jahrtausende in der Kalahari leben kann, ohne sie zu zerstören. Ihre Lebensweise als Jäger und Sammler stand in Harmonie mit der Natur. Sie verfügten über hoch spezialisierte Kenntnisse ihrer Umwelt, beließen diese in ihrem natürlichen Gleichgewicht und passten sich den Umweltbedingungen an.
Im Lauf der Jahrhunderte wurden die San von Bauern und Viehzüchtern verdrängt, seit dem 17. Jahrhundert rückten weiße Siedler und Kolonialherren in ihr Land vor. Zahlreiche Konflikte, Versklavung und Krankheiten führten fast zur Ausrottung der San. Die letzte Vertreibung fand statt, als Teile ihrer noch verbliebenen Territorien zu Naturschutzgebieten erklärt wurden. Die verbliebenen 100.000 San verdingen sich heute größtenteils als Farmarbeiter oder leben ohne Perspektive am Rand der Dörfer und Städte.
Bei der Karoo im Südwesten Südafrikas handelt es sich genauso wenig um eine Wüste wie bei der Kalahari. Aber es ist ein trockenes Gebiet, das sich in Südafrika zwischen dem Kapland mit Winterregen und der Kalahari mit Sommerregen ausbreitet: Die Kleine Karoo empfängt 150 bis 300 Millimeter Niederschlag jährlich, die Große Karoo 125 bis 200 Millimeter. Nördlich der Karoo liegt das Namaqualand, das nur 50 bis 200 Millimeter Niederschlag pro Jahr erhält und dessen Norden, jenseits des Oranjeflusses, bereits in die Namib übergeht. Die Karoo und das Namaqualand sind mit Büschen und Sträuchern bewachsen, nach Regenfällen sind weite Flächen mit einer bunten Blumendecke überzogen.
Die Namib
Die Namib ist mit einer Fläche von 270.000 Quadratkilometer im Vergleich zur Sahara eine ausgesprochen kleine Wüste. Die südliche Grenze bildet der Oranjefluss, im Norden reicht die Namib bis nach Angola hinein. Im Westen wird sie vom Atlantik, im Osten von der Großen Randstufe begrenzt, die Namibia von Norden nach Süden durchzieht. Von hier aus fällt die Namib gleich einer schiefen Ebene von 800 Meter bis auf Meeresniveau ab.
Auch wenn die Namib oft als typische Küstenwüste bezeichnet wird, ist ihre Trockenheit auf ihre Lage beidseits des südlichen Wendekreises zurückzuführen. Durch die unmittelbare Nachbarschaft zu einer kalten Meeresströmung wird die Regenarmut verstärkt. Im Gegensatz zur Sahara, die dem nördlichen Wendekreis vom Atlantik bis zum Roten Meer über 6000 Kilometer weit folgt, reicht die Namib am südlichen Wendekreis nur 30 bis 100 Kilometer vom Atlantik aus in die Landmasse des afrikanischen Kontinents hinein. Die Ursache liegt in gewaltigen Meeresströmungen, welche die Auswirkungen der atmosphärischen Zirkulation im südlichen Afrika verändern und ein durchgehendes Wüstenband vom Atlantik zum Indischen Ozean verhindern: Zum Indischen Ozean hin sorgt nämlich der warme Mosambikstrom für ausreichend Niederschläge. An der Atlantikküste dagegen verstärkt der aus der Antarktis kommende Benguelastrom die Trockenheit am Wendekreis. Seine eiskalten Auftriebswasser kühlen die über dem Meer liegenden Luftmassen erheblich ab. Wenn sie auf das Festland treffen, entsteht zwischen den wärmeren und trockenen Luftmassen über dem Festland und der darunter lagernden kühlen und feuchten Meeresluft eine Inversion, was eine hoch reichende Konvektion, die zur Bildung ergiebiger Niederschläge notwendig wäre, unmöglich macht. Es bilden sich aber in Küstennähe Nebel, die von den kräftigen Seewinden ins Inland getrieben werden. Der Nebel hält oft ganztags an, reicht aber nur maximal 30 Kilometer ins Landesinnere hinein. Die Reichweite des Nebels ist auch das Kriterium bei der Unterscheidung zwischen Küstennamib und Innerer Namib, der sich nach Osten die Vornamib anschließt.
Je küstennäher das Gebiet, desto weniger Niederschläge erhält es. Fast jeden Morgen legt sich aber eine Nebelwand über die Küstennamib, die von der raschen nächtlichen Abkühlung der tagsüber eingeströmten Seeluft verursacht wird und die sich erst am späten Vormittag oder gar nicht auflöst. Dieser Nebel entspricht einer jährlichen Niederschlagsmenge von 40 bis 50 Millimeter. Damit bildet er die Lebensgrundlage für die Flora der Küstennamib, deren bekannteste Vertreterin die Welwitschia mirabilis ist. Mit ihren meterlangen, lederartigen Blättern fangen die oft viele Hundert Jahre alten Pflanzen die Nebelfeuchte auf und machen sich so unabhängig von Grundwasser oder Regen. Die Küste der Namib stellt aber auch einen Lebensraum für Millionen Seevögel und Robben dar. Grundlage hierfür ist der überaus hohe Plankton- und Sauerstoffgehalt des Benguelastroms, der die Küstengewässer zu den fischreichsten der Erde macht.
Östlich des 30 bis 50 Kilometer breiten Streifens der Küstennamib schließt sich die Innere Namib an. Mit einer Höhe von 400 bis 500 Meter liegt sie außerhalb der Reichweite des Küstennebels und entspricht mit hohen Temperaturen und geringer Luftfeuchtigkeit am ehesten der allgemeinen Vorstellung von Wüstenklimate.
Die Vornamib am Fuß der Großen Randstufe erhält bereits wieder 100 Millimeter jährlichen Niederschlag und erlaubt damit extensive Viehhaltung. Im ihrem Norden liegt der Westteil des Kaokovelds, in dem die Himba als Halbnomaden leben. Im Süden betreiben weiße Farmer am Fuß der hier 1800 Meter hohen Randstufe riesige Farmen, auf denen Rinder und Karakulschafe gezüchtet werden. Die Vegetation ist so spärlich, dass ein einziges Rind eine Weidefläche von 30 Hektar benötigt.
Zu Beginn der 1980er-Jahre verloren die Himba durch eine verheerende Dürre fast ihren gesamten Viehbestand. Die unergiebigen Regenzeiten der 1990er-Jahre zwangen viele Farmer am Ostrand der Namib zum Verkauf ihrer Tiere. Die wenigen Siedlungen, die sich in der Namib befinden, liegen entweder am Ostrand oder an der Küste; die Innere Namib ist unbewohnt.
Die Namib lässt sich auch geomorphologisch klar gliedern. Nördlich des Kuiseb-Trockenflusses dominieren ebene Kies- und Steinwüsten, die lediglich von den Flussbetten der großen Trockenflüsse Hoanib, Hoarusib und Ugab durchfurcht sind. Südlich des Kuiseb beginnt die Dünennamib, deren oft 300 Meter hohe Dünen sich bis zum Oranjefluss im Süden erstrecken. Der Kuiseb erreicht zwar nur äußerst selten den Atlantik, doch die episodisch auftretenden Wassermassen dieses Flusses verhindern eine Wanderung der Dünen nach Norden.
Auch die Dünennamib wird von Trockenflüssen durchschnitten, die sich allerdings in den Sandmassen verlieren und dabei topfebene Lehmpfannen bilden, die sogenannten Vleis. Am weitesten reicht der Tsauchab-Trockenfluss in das Dünenmeer hinein. Jahrhundertealte Kameldornbäume verraten seinen Lauf durch die Dünen. Nur sehr selten führt er Wasser, noch seltener sind die Wassermassen stark genug, um im Dünengebiet bis zum Sossusvlei zu gelangen.
Die Namib wird oftmals als die älteste Wüste der Erde bezeichnet. Der für die Sahara nachgewiesene Wechsel von Feucht- und Trockenphasen scheint in der Namib kaum stattgefunden zu haben, da hier der Benguelastrom seit zehn Millionen Jahren kontinuierlich für Niederschlagsarmut sorgt. Der Benguelastrom entstand, als im Tertiär Antarktika in eine polnahe Position driftete und der Südatlantik sich weit öffnete.
Aufgrund der schon so lange anhaltenden Wüstenbedingungen hat sich die Fauna der Namib außergewöhnlich stark spezialisiert. Die Existenz der Welwitschia in heute extrem trockener Wüstenumgebung weist allerdings darauf hin, dass es auch in der Namib schwach ausgeprägte Feuchtphasen gegeben haben muss. Sonst hätte sich diese Pflanze nicht entwickeln können.
Im Süden der Namib finden sich die größten und reinsten Diamanten der Erde, die bis heute eine wichtige Stütze der namibischen Volkswirtschaft darstellen. Die Entdeckung dieser Edelsteinvorkommen ist dem deutschen Bahnbeamten August Stauch zu verdanken, der im April 1908 den Wert eines unscheinbaren Steins erkannte, der an der klebrigen Schaufel eines Eisenbahnarbeiters haften geblieben war. Noch bevor das Jahr zu Ende ging, hatten Stauchs Arbeiter, mit Marmeladengläsern als Sammelgefäßen und auf Knien robbend, 39.000 Karat Rohdiamanten aus dem Sand aufgelesen und ihn zum Millionär gemacht.
In Kolmanskop, östlich von Lüderitz gelegen, entstand eine Diamantensiedlung mit Postamt, Schwimmbad, Schlachterei und Schule. Vor dem Ersten Weltkrieg haben hier mehrere deutsche Bergbaugesellschaften ein Fünftel der Weltproduktion an Diamanten gefördert. In den 1920er-Jahren verlagerte sich die Diamantensuche an den Südrand der Namib, wo in einem hermetisch abgeriegelten 26.000 Quadratkilometer großen »Sperrgebiet« immer noch jährlich 200 Kilogramm Rohdiamanten gefördert werden. Kolmanskop ist heute eine Geisterstadt.