Das Abenteuer
Weltkarte
Zu definieren, was eine Wüste ist, stellt ein schwieriges Unterfangen dar. Von den antiken Geographen bis hin zu den Forschungsreisenden des 19. und 20. Jahrhunderts sind zahlreiche Beschreibungen und Erklärungen von Wüsten überliefert.

Im frankophonen und anglophonen Sprachraum bedeutet das Adjektiv »désert« bzw. »desert« nichts anderes als »vom Menschen verlassen« und hat keinen Bezug zu Niederschlagsmangel und Trockenheit. Ähnliches gilt für die deutschen Bezeichnungen »wüst« und »verwüstet«. Wenn Wüste einfach Leere meint, könnte es viele Landschaften geben, für welche dies zutrifft. Die moderne Geographie liefert genauere Definitionen, zum Beispiel diese: »Wüste ist ein Gebiet, das infolge geringfügiger oder gar fehlender Niederschläge nur eine sehr geringe Vegetation mit erheblichen Zwischenräumen aufweist.«

Die Wüsten der Erde haben unter Einbeziehung der Halbwüsten (semiarider Gebiete) eine Fläche von 45 bis 50 Millionen km², das sind 33 bis 36 Prozent der gesamten Landoberfläche. Sie stellen damit die flächenmäßig größte Naturlandschaftszone der Erde dar; in Afrika sind beispielsweise 76,5 Prozent der nördlich des Äquators gelegenen Landfläche als Wüsten oder Halbwüsten einzustufen.

In zwei Gürteln, einem nördlichen und einem südlichen, scheinen sie den Erdball zu umspannen. So liegen zwischen dem 20. und 40. Breitengrad in der nördlichen Hemisphäre die nordamerikanischen Wüsten und Halbwüsten, die Sahara, die arabischen, die mittelasiatischen und zentralasiatischen Wüsten und in der südlichen Hemisphäre die chilenisch-peruanischen Wüsten, die australischen und südwestafrikanischen Wüsten.
Die räumliche Verteilung der Wüsten auf der Erde wird verständlich, wenn man sich die Ursachen für Wüsten näher ansieht. Man unterscheidet grundsätzlich vier Wüstentypen.


Wendekreiswüsten

Die Wendekreiswüsten nehmen das größte Areal unter den Wüsten der Erde ein. Hierzu gehören große Teile des Altweltlichen Trockengürtels, der sich von der Sahara über die arabische Halbinsel bis hin zur Wüste Thar in Indien und weiter nach China zieht. Hierzu gehören auf der Südhalbkugel fast ganz Australien sowie die Kalahari und die Karoo in Südafrika. Die Ursachen für diese Wüsten sind nicht im Relief zu suchen, sondern hängen mit der globalen atmosphärischen Zirkulation und den daraus resultierenden Klimazonen zusammen. Über den Wendekreisen kommt es zum Absinken von Luftmassen, die in der Höhe vom Äquator herangeführt wurden. Mit dem Absinken ist eine Erwärmung und damit Trocknung verbunden.


Reliefwüsten

Im Regenschatten von Gebirgen liegen Reliefwüsten. Sie beschränken sich auf Zonen mit relativ einheitlichen Winden, die feuchte Luftmassen heranführen. Dies sind meist die Westwinde der gemäßigten Breiten.
Die Niederschläge regnen sich im Luv der meist quer zur Windrichtung verlaufenden Höhenrücken ab. Im Lee bewirken die absteigenden und sich erwärmenden Luftmassen dann Wolkenauflösung und Niederschlagsarmut: Geographen sprechen vom Föhneffekt, der oftmals lokale Namen wie Chinook (USA) oder Zonda (Argentinien) trägt.
Zu den Reliefwüsten ist die Great Basin Desert im Lee der Sierra Nevada und des Kaskadengebirges zu rechnen; zu ihnen zählt auch die südlich angrenzende Mojave Desert mit dem Death Valley. Ferner liegen die Trockengebiete der Chihuahua-Wüste im Regenschatten der Sierra Madre Occidental, in Südamerika stellen die Halbwüsten Patagoniens im Lee der Anden typische Beispiele für Reliefwüsten dar.


Kontinentale Inlandswüsten

Während viele Reliefwüsten ohne die abschirmenden Gebirge noch Niederschläge erhalten würden, liegen im Zentrum großer Landmassen aride Gebiete, die auch ohne Gebirgsbarrieren nicht von feuchten Luftmassen erreicht würden. Dies trifft vor allem auf Asien zu, wo sich insbesondere zwischen 35º und 50º nördlicher Breite riesige Trockengebiete quer durch den Kontinent erstrecken. Die Trockenheit der Sahara wird in ihren zentralen und östlichen Teilen ebenfalls durch die Kontinentalität verstärkt.
Die Wirkung der Tiefdruckgebiete atlantischer Herkunft wird nach Osten hin mehr und mehr abgeschwächt. Die Luftmasse verliert unterwegs ihre Feuchtigkeit und erreicht »getrocknet« weit vom Meer entfernte Regionen, so dass allein deren geographische Lage zu Aridität führt. Kontinentalität führt zu großen Temperaturunterschieden: In den zentralasiatischen Wüsten schwanken die Temperaturen zwischen 40º C unter Null und 50º C über Null.


Küstenwüsten

Die bei weitem ungewöhnlichsten Wüsten sind die Küstenwüsten, auch Nebelwüsten genannt. Das Klischeebild von einer heißen, trockenen Wüste trifft auf sie in keiner Weise zu. Sie sind praktisch niederschlagsfrei, wegen der Nebelbildung trotzdem aber relativ feucht und kühl. Zu den Küstenwüsten zählen Teile der Sonora-Wüste auf der Halbinsel Baja California, die Atacama-Wüste in Südamerika und die Namib im südwestlichen Afrika. Hier wird Aridität durch die Nachbarschaft zu kalten, küstenparallelen Meeresströmungen verursacht. Diese sind der kalte, aus dem Norden kommende Kalifornienstrom an der Pazifikküste Nordamerikas, der aus Antarktisgewässern kommende Humboldtstrom an der Pazifikküste Südamerikas sowie der ebenfalls antarktische Benguelastrom an der Atlantikküste Südafrikas. Vor der Küste der Westsahara trägt der kühle Kanarenstrom zur Aridität der Küstenzone bei, wenngleich die Trockenheit hier – im Gegensatz zu echten Küstenwüsten – landeinwärts zunimmt. Auch die Trockenheit Westaustraliens wird durch eine kalte Meeresströmung zumindest verstärkt.

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