| Die Wüsten Irans und Afghanistans | ||
| In der Mitte des Altweltlichen Trockengürtels – und damit im Bereich des subtropischen Passatgürtels – liegt das Iranische Hochland, das sich weit nach Afghanistan hinein erstreckt. Die iranischen Wüsten Große Kavir und Lut sind gut erforscht, die afghanischen Wüstengebiete Belutschistans und Registans hingegen seit längerer Zeit nur schwer zugänglich.
Die Große Kavir und die Lut liegen in zwei Hochbecken. Das Zagros-Gebirge im Westen und das Alborz-Gebirge im Norden schirmen sie von den feuchten Luftmassen ab. Die Große Kavir stellt als Salzwüste eine der sterilsten und lebensfeindlichsten Gebiete der Erde dar, und infolgedessen fehlt es an Besiedlungen jeglicher Art.
Die Oasen an den Beckenrändern von Lut und Kavir verdanken ihre Existenz dem Bau von Qanaten. Diese Technik, welche die Oasen mit Grundwasser aus den Randgebirgen versorgt, wurde vor der Zeitenwende im Iran entwickelt und verbreitete sich bis nach China. Noch im 18. Jahrhundert gruben Qanatarbeiter aus dem Iran in der chinesischen Turfansenke Qanate. Auch im Maghreb fand die iranische Technik Anwendung; die Qanate heißen dort Foggaras. Qanate sind horizontale Brunnen. Am Fuße des Gebirges zapfen sie unterirdisch das Grundwasser an und leiten es unter Ausnutzung des natürlichen Gefälles an die Oberfläche. Der Stollen, der das Grundwasser befördert, wird durch zahlreiche vertikale Schächte mit der Oberfläche verbunden. Die Länge der Qanate beträgt bis zu 70 km, die Stollen befinden sich in einer Tiefe von bis zu 400 m. Mitte der 1960er-Jahre waren im Iran noch 22.000 Qanate in Betrieb. Bei einer Gesamtlänge von 270.000 km förderten sie 750 Kubikmeter pro Sekunde – mehr, als die Elbe bei Hamburg Wasser führt!
Die Wüstengebiete des südlichen Afghanistan werden durch den Hilmand-Fluss in eine östliche und westliche Hälfte geteilt. Östlich liegt Registan, eine 25.000 km² große Sandfläche, die den im Hilmand-Tal lebenden Belutschen als wertvolle Ergänzungsweide dient. Dauerhafte Siedlungen gibt es in dieser Wüste nicht, nur Saxaulsträucher, die etwas Schatten bieten. In den afghanischen Teil des Iranischen Hochlands greift das junge asiatische Faltengebirgssystem hinein, das im Nordosten Afghanistans mit dem Pamir seinen Anfang nimmt und dann über den Hindukusch zu den zentralafghanischen Gebirgsketten führt, die sich nach Westen und Südwesten auffächern. Wenn hier die Niederschlagswerte auch deutlich höher liegen als in Registan oder Belutschistan, herrschen doch insbesondere im Regenschatten der Gebirgszüge wüstenhafte Bedingungen vor. In den Sommermonaten bieten die Hochlagen der Gebirge den Nomaden Zuflucht, denn der Winter hat dort in Form von Schnee Feuchtigkeitsreserven geschaffen, die auch den Sommer über vorhalten. In den kalten Wintermonaten ziehen sich die Nomaden in die nördlichen und südlichen Ebenen Afghanistans zurück. |
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