30 Jahre Abenteuer – Interview
Herr Martin, inwiefern unterscheidet sich Ihr neues Buch »30 Jahre Abenteuer« von Ihren bisherigen Büchern?

Meine bisherigen 20 Bücher waren Fotobände, oft mit einem geographischen Textteil. Mein neues Buch »30 Jahre Abenteuer« ist dagegen ein »Making Of«, in dem ich meine persönlichen Erfahrungen aus über 100 Wüstenreisen schildere und meine besten Bilder zeige. In meinen Vorträgen haben ja meine Reiseerlebnisse schon immer viel Raum eingenommen. Erst jetzt habe ich aber zusammen mit dem Frederking & Thaler-Verlag eine Form gefunden, um diese Erlebnisse und Erfahrungen auch in eine spannende Buchform zu bringen. Ich wollte nämlich keine bloße Erzählung über meine Reisen verfassen. Das jetzige Konzept halte ich für sehr gelungen, da es die fotografische und erzählerische Ebene auf interessante Weise verbindet.


Wie sieht dieses Konzept aus?

Das Buch hat zwei Teile. Im ersten Teil beschreibe ich meine Reisen mit Texten, Bildern und Materialien wie Pass-Kopien, Kartenausschnitten und Zeitungsartikeln. Es handelt sich sozusagen um ein Kaleidoskop meiner Reisen. Der zweite Teil besteht aus acht umfangreichen Kapiteln, die sich ausgewählten Themen wie der Fotografie, meinen Reisefahrzeugen, Orientierung oder dem Berufsbild des Abenteurers widmen.


Erwarten den Leser auch neue Fotos?

Ja, sehr viele. In meinem neuen Buch werden zu 95 Prozent unveröffentlichte Bilder zu sehen sein. Bei den restlichen fünf Prozent handelt es sich um ausgewählte Bilder, die mir persönlich sehr wichtig sind.


Auch Ihr neuer Vortrag trägt den Titel »30 Jahre Abenteuer«. Sind die Inhalte des Buches und des Vortrages deckungsgleich?

Die Grundinhalte sind gleich, aber beim Vortrag bediene ich mich natürlich anderer Ausdrucksformen- wie der Musik und meinem Live-Kommentar. Ich würde sagen, Vortrag und Buch ergänzen sich perfekt.


Was fasziniert Sie so nachhaltig am Thema »Wüste?«

Es war die Astronomie, die mich mit 17 Jahren zum ersten Mal in die Sahara geführt hat, da ich den Sternenhimmel der südlichen Hemisphere beobachten wollte. Seit ich zum ersten Mal das Sandmeer der Sahara sah, bin ich fasziniert von der Wüste. Als Fotograf faszinieren mich die Ästhetik und die Formen der Wüste. Als Geograph bin ich aber auch an den natürlichen Zusammenhängen in den Wüsten- und Trockengebieten interessiert. Die natürlichen Formen sind nicht durch Vegetation bedeckt oder vom Menschen umgestaltet. Die Wüste kommt mir in dieser Hinsicht oft vor wie ein Buch, das ausgebreitet vor mir liegt und in dem ich als Geograph lesen kann. Nicht zuletzt ist es bis heute eine spannende Herausforderung und oft genug auch ein Abenteuer, in Wüsten unterwegs zu sein.


Haben die Reisen Sie verändert?

Die Wüsten haben mich Demut vor der Natur und Respekt für ihre Bewohner gelehrt. Die Menschen dort verstehen es, sich in lebensfeindlicher Natur zu behaupten. Dies gelingt ihnen durch besondere, seit Generationen überlieferte Techniken und ihre mentale Stärke. Die Menschen in Europa fühlen sich anderen Kulturen oft überlegen. Auf meinen Reisen erfuhr ich, dass dazu kein Grund besteht. Die Begegnung mit Menschen aus den entlegensten Gebieten der Erde hat mein Weltbild entscheidend geprägt. Umgekehrt weiß ich viele Dinge hier in Deutschland mittlerweile mehr zu schätzen.


Welche Dinge sind das?

Die Rechtsstaatlichkeit, die Menschenrechte, eine funktionierende Bürokratie. Aber auch Dinge wie einen pünktlichen Bus oder eine warme Dusche nehme ich bewusster wahr. Manchmal hilft es, die eigene Heimat aus der Distanz zu betrachten. Die Reisen haben mich aber auch im praktischen Sinn geprägt, da mein Organisations- und Improvisationstalent immer wieder aufs Neue gefordert wurde. Wer mitten in der Wüste schon eine Kupplung gewechselt hat, für den ist eine Reifenpanne auf der deutschen Autobahn nicht mehr so wild. Wo fühlen Sie sich wohler – zuhause in München oder unterwegs in den Wüsten? Das kann ich nicht pauschal beantworten, da ich beides brauche. Ich bin ein Mensch, der von Kontrasten lebt. Hier in München ist mein Hafen, hier sind meine Kinder, mein Zuhause. Die Wüsten sind mir aber ebenso vertraut, ich fühle mich dort sehr wohl.


Gab es auf Ihren Reisen Momente, in denen Sie sich geschworen haben: »Nie wieder!«?

Das kam schon vor. Gerade in bedrohlichen Situationen, in denen Gefahr von Rebellen oder Militär drohte oder ich durch ein Minenfeld fuhr, dachte ich schon manchmal: Was mache ich hier eigentlich? Auch Nächte im Schlamm, brüllende Hitze und unzählige Moskitostiche sind natürlich nicht gerade stimmungsfördernd. Aber schließlich wollte ich immer ein aufregendes Leben führen – und solche Momente gehören einfach dazu. Die schönen und faszinierenden Augenblicke überwiegen ja glücklicherweise.


Sie blicken auf 30 Jahre Abenteuer zurück. Dürfen wir weitere Abenteuer von Ihnen erwarten?

Selbstverständlich. Bisher habe ich mich ja ausschließ­lich mit Trockenwüsten beschäftigt. Ab 2010 werde ich mich auch den Eiswüsten in den Polargebieten widmen, in denen die Kälte für das Fehlen von Vegetation sorgt. Das neue Projekt heißt »Planet Wüste« und wird die Trockenwüsten mit den Eiswüsten vergleichen. Mein besonderes Augenmerk wird dabei den Überlebensstrategien der dort lebenden Menschen gelten. Ich freue mich darauf, endlich wieder unterwegs zu sein.

Bildband - 30 Jahre Abenteuer
Fotografie und Text: Michael Martin

288 Seiten · ca. 220 Fotografien
Halbleinen 29,3 x 25 cm
ISBN 978-3-89405-702-2
EUR 39,90 [D] / EUR 41,10 [A] / sFr 64,90

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