Michael Martin

Fotografie


»Ihre Kamera macht aber tolle Bilder«. Diesen Satz werde ich während der Vortragstournee wieder oft hören. Ich versuche es dann immer mit einem Vergleich. Würde ich mir einen hochwertigen Konzertflügel kaufen, könnte ich trotzdem nicht Klavier spielen. So verhält es sich auch mit Kameras. Sie sind sicher eine notwendige Voraussetzung, um bestimmte Bilder zu machen, aber für die Güte eines Fotos ist zum Glück immer immer noch der Fotograf oder die Fotografin verantwortlich.

Trotzdem bin ich froh, bei meinen Reisen in Hitze und Eis mit einer der besten Kameras der Welt ausgerüstet gewesen zu sein. Als ich 2009 für das Projekt »Planet Wüste« zu fotografieren begann, stellte mir NIKON das damalige Topmodell D3 zur Verfügung, das bald von der noch dynamischeren D3S abgelöst wurde. In der zweiten Hälfte des Projektes fotografierte ich dann mit den Nachfolgemodellen D4 und D4S. Damit hatte ich extrem robuste und schnelle Kameras zur Verfügung, deren Sensoren keine Pixelriesen waren, sondern konsequent auf minimales Rauschverhalten auch bei sehr wenig Licht setzen. Während der vierzig Reisen für »Planet Wüste« hatte ich keinen einzigen Kameraaussetzer, so dass das immer mitgeführte Zweitgehäuse im Gepäck blieb.

Eine Neuerung, die ich als weltweit arbeitender Fotograf am meisten schätze, ist die enorme Qualität und Lichtstärke heutiger Zoomobjektive. So kam ich mit drei bis vier Zoomobjektiven aus. Während der sechs Reisejahre begleitete mich das Nikkor 14/24 mm 2,8 Weitwinkelzoom und das Standardzoom 24/70 mm 2,8. Bis zum Erscheinen des neuen 80/400 mm 4,5/5,6 Zooms hatte ich ein 70/200 mm 2,8 Zoom und ein 200/400 mm 4,0 Zoom dabei. So passt inzwischen meine gesamte Ausrüstung in einen kleinen Fotorucksack. Blitzgerät und sonstiges Zubehör habe ich nicht, einzig einen Polarisationsfilter.

Vorbei sind auch die Zeiten, in denen ich mich um die Kühlung und Sicherheit meiner Diafilme habe sorgen müssen. Statt bis zu 200 Filmen sind es heute ein paar Speicherkarten, auf welche die Bilder einer ganzen Reise passen. Ich habe genügend Speicherkarten dabei, um keine Bilder löschen zu müssen. Zusätzlich werden die Bilder als Raw Dateien auf meinem Macbook gespeichert. Mit dem leider inzwischen von Apple nicht mehr fortgeführten Programm »Aperture« habe ich die Bilder bereits auf Reisen konvertiert und bearbeitet. Daheim übertrug ich die Bilddaten dann auf meine diversen Festplatten, die an verschiedenen Orten, unter anderem in einem Tresor sicher lagern.

Die Anforderungen des Projektes »Planet Wüste« an meine Kameras hätten höher nicht sein können. Temperaturen zwischen -50°C und +50°C, Erschütterungen, Sand und Schneestürme waren an der Tagesordnung. Ich habe trotzdem meine Kameraausrüstung nicht besonders geschützt. Ich wollte einfach spontan und schnell reagieren können und verwendete einen handelsüblichen Fotorucksack von Lowe. In ihm fand auch mein 13" Zoll Macbook Platz, so dass alles griffbereit war. Wenn ich auf dem Motorrad fuhr, brachte ich den Großteil der Kameraausrüstung in einem Foto-Tankrucksack von Touratech unter.

Mir war von vorne herein klar, dass diesmal die Landschaften im Vordergrund stehen würden. Antarctica ist unbewohnt, auch in der Arktis leben nicht viele Menschen. So war es die Suche nach spektakulären Landschaften, interessanten Perspektiven und die Hoffnung auf gutes Licht, die jeden Reisetag aufs Neue im Vordergrund stand.

Da sich die besten Lichtstimmungen morgens und abends ergeben, waren es meist die Mittagsstunden, in denen wir uns fortbewegten. Auch der Kontakt zu Menschen ergibt sich in Wüsten eher in den Tagesrandzeiten.

Natürlich hatte ich eine grobe Vorstellung von den Bildern, die ich gerne nach Hause bringen wollte. Das meiste hat sich aber einfach ergeben, entscheidend war natürlich maximale Flexibilität und Reisepartner, die akzeptieren, dass die Fotografie im Vordergrund steht. Trotzdem boten die vierzig Reisen immer viel Spaß, Aufregung und Abenteuer. Das hatte auch sicher mit der Auswahl meiner Reisepartner zu tun. Hier ist an vorderster Stelle mein Freund Jörg Reuther zu nennen, der genauso leidenschaftlich gerne fotografiert wie ich. Aber auch mit den Kameramännern Ralf Leistl und Thilo Mössner war ich gerne und oft unterwegs. In der zweiten Phase des Projekts war ich viel mit meiner Frau Elly in der Arktis, in der Antarktis und in Afrika unterwegs. Sie war nicht nur eine begeisterte Reisende, sondern filmte und fotografierte so gut, das man meinen könnte, sie hätte vorher nie etwas anderes gemacht. Sie war auch dabei, als ich am 20. März 2015 unter dramatischen Umständen die Totale Sonnenfinsternis in der Hocharktis fotografierte und dort mein letztes von 300 000 Bildern für das Projekt »Planet Wüste« machte.